Zwiespältige Bilanz unserer Leichtathleten:
Verletzungspech verhinderte Besseres
- "Aufschwung spiegelt sich in Ergebnissen nicht wider"
- Gerhard Mayer als Lichtblick im Team des ÖLV

·Gelungenes Debüt von Gerhard Mayer
Niederösterreicher wird Achter im Diskuswerfen
·Schlechter hätte
es nicht laufen können
Zehnkämpfer Schwarzl muss verletzt aufgeben
Nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Zehnkämpfer Roland Schwarzl hat der Österreichische Leichtathletik-Verband einen Tag früher als geplant WM-Bilanz gezogen. Dem hervorragenden achten Platz von Diskuswerfer Gerhard Mayer stehen ein 30. Rang von Speerwerferin Elisabeth Pauer, ein 58. von 100-m-Sprinter Ryan Moseley und der Wettkampfabbruch des Mehrkämpfers gegenüber. "Das tut weh, denn der kleine Aufschwung, den wir seit zwei Jahren haben, spiegelt sich in den Ergebnissen nicht wider", bekannte Sportdirektor Hannes Gruber in Berlin.
Mit sieben Sportlern hatten sich im Vergleich zur WM in Osaka 2007 und den Olympischen Spielen 2008 in Peking vier Athleten mehr qualifiziert, der ÖLV hatte allerdings die verletzten Läufer Günther Weidlinger und Andrea Mayr sowie Bettina Müller-Weissina, die einen Leistungsnachweis nicht erbrachte, vorgeben müssen. "Wir haben eine exorbitant hohe Ausfallsquote, von sieben sind vier für Berlin übergeblieben und davon haben wir nur die Hälfte durchgebracht", rechnete Gruber vor.
Schwarzl erlitt eine Muskelfaserverletzung am Bein-Bizeps, Moseley kämpfte mit einem Krampf, seine Hüftschmerzen ist er aber seit der Hallensaison nicht recht losgeworden. "Er hat das nie hundert Prozent ausgeheilt. Sportler gehen nun mal an ihre physischen Leistungsgrenzen. Die IAAF führt derzeit aber eine Untersuchung durch, warum sich so viele Athleten mit Verletzungen plagen, wir haben die Formulare auch alle ausgefüllt", erläuterte der Sportdirektor. Schwarzl, der am Donnerstag zu genaueren Untersuchungen nach Salzburg reiste, hatte seit den Staatsmeisterschaften, bei denen er von allen (aus dem Training heraus antretenden) WM-Teilnehmern den stärksten Eindruck hinterließ, leichte muskuläre Probleme.
Anerkennung für Mayer
Gruber hatte für die WM Schwarzl und Mayer für eine Platzierung zwischen 12 und 15 auf der Rechnung, bei optimalen Verlauf auch weiter vorne. "Nun hat Gerhard Übergebührliches gebracht, Roland ist leider ausgefallen." Die große Anerkennung galt dem Diskuswerfer, der für Österreichs beste WM-Platzierung seit 2001 in Edmonton gesorgt hat, als Stephanie Graf über 800 m Zweite wurde. Überhaupt waren in der WM-Geschichte erst zweimal ÖLV-Männer besser platziert gewesen (1987/Klaus Bodenmüller/Kugelstoß/7. und 1991/Hermann Fehringer/Stabhochsprung/7.) und einmal einer gleichauf (1983/Dietmar Millonig/5.000 m/8.).
"Da wurde über Jahre kontinuierlich gut gearbeitet", sagte Gruber über Mayer und dessen Trainer Gregor Högler. "Der Hauptgrund, warum Gerhard nicht schon öfters bei Großereignissen war, ist, dass die Qualifikations-Limits extrem hoch sind." Nun sei er aber auf einem Niveau, wo er das draufhabe. WM-Debütantin Pauer kämpfte mit den Nerven und verpatzte alle ihre Würfe mit technischen Fehlern. "Sie ist zwar 26 aber vom Trainingsalter extrem jung, sie hat den Weg noch vor sich. Sie kann noch zehn Jahre dazulernen und arbeiten. Steffi Nerius ist auch erst mit 37 Jahren Weltmeisterin geworden", Gruber.
(apa/red)
