Donnerstag, 20. August 2009

Der große Wurf im letzten Versuch:
Diskuswerfer Harting beglückt Deutschland

  • Usain Bolt lässt in 200-m-Vorläufen nichts anbrennen
  • 800-m-Weltmeisterin könnte vielleicht ein Mann sein

Usain Bolt hat keinen Zweifel offen gelassen, dass er am Donnerstagabend bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin auf den Weltrekord auf seiner Paradestrecke über 200 m losgeht. Der Jamaikaner machte bei seinem mit Leichtigkeit eingefahrenen Halbfinalsieg in der Zeit von 20,08 deutlich, dass im Finale ein weiterer Blitzeinschlag von ihm zu erwarten ist. Die Titel am Mittwoch holten sich Robert Harting (GER/Diskus), Caster Semenya (RSA/800 m), Yusuf Saad Kamel (BRN/1.500 m) und Brigitte Foster-Hylton (JAM/100 m Hürden).

Die Müdigkeit aus Vorlauf und Zwischenrunde hatte Bolt in der Vorschlussrunde abgeschüttelt, er fühlte sich "besser als am Vortag", allzu viel mehr sagen wollte der Mann aus der Karibik, der im Olympiafinale 2008 die Bestmarke auf 19,30 gedrückt hatte, aber nicht. "Am Freitag habe ich Geburtstag, aber ich habe noch keine Feier vorbereitet." Der bald 23-Jährige vermied es erneut, vom Weltrekord zu reden, diese Tiefstapelei zieht er schon die ganze WM durch. "Ich habe nicht mit gleicher Qualität für die 200 m gearbeitet als für die 100."

Eine umstrittene Siegerin gab es im 800 m Rennen der Frauen, die 18-jährige Caster Semenya gewann in der Jahresweltbestzeit 1:55,45 Sekunden vor der kenianischen Titelverteidigerin Janeth Jepkosgei (1:57,90) und der Britin Jenny Meadows (1:57,93). Das Rennen war sauber, möglicherweise stimmt aber bei Semenya etwas nicht, wegen ihres männlichen Erscheinungsbildes muss sie sich einem Geschlechtstest unterziehen.

Wieder Gold für Jamaika
Die Ergebnisse der genetischen Untersuchung sollen innerhalb einer Woche vorliegen. Semenya war vor drei Wochen aus dem Nichts kommend 1:56,72 Minuten gelaufen, die IAAF hegt zwar Zweifel an ihrer Weiblichkeit, hat aber keine Beweise und musste sie am Mittwochabend starten lassen. Über 100 m Hürden schlug die Jamaikanerin Brigitte Foster-Hylton zu, mit 12,51 Sekunden setzte sie sich vor der Kanadierin Priscilla Lopes-Schliep (12,54) und ihrer Landsfrau Delloren Ennis London (12,55) durch.

Die 1.500 m wurden eine Beute von Yusuf Saad Kamel aus Bahrain, der als gebürtiger Kenianer Gregory Konchellah hieß, Sohn des zweifachen 800-m-Weltmeisters Billy Konchellah ist und die Nation wechselte. In 3:35,93 Minuten siegte Kamel vor Deresse Mekonnen (Äthiopien/3:36,01) und Titelverteidiger Bernard Lagat aus den USA (3:36,20). Kenias Männer gingen leer aus, Asbel Kiprop wurde Vierter, der Jahresweltbeste Augustine Kiprono Choge Fünfter.

Deutschland jubelt im letzten Anlauf
Deutschland jubelte über die zweite Goldmedaille bei der 12. WM und die insgesamt 50. in der Geschichte. Im Diskuswurf hatte sich ausgerechnet der Berliner "Problembär" Robert Harting durchgesetzt, der gleichermaßen mit misslungenen verbalen Äußerungen wie mit gelungenen Würfen für Aufsehen sorgt. Mit 69,43 Metern zog Harting mit seinem letzten Wurf am bis dahin führenden Polen Piotr Malachowski vorbei (69,15), Rang drei ging an Titelverteidiger und Olympiasieger Gerd Kanter aus Estland (66,88), hervorragender Achter wurde der Österreicher Gerhard Mayer (63,17).
(apa/red)

20.8.2009 15:43