Schlechter hätte es nicht laufen können:
Zehnkämpfer Schwarzl gibt verletzt auf
- Muskelzerrung gleich in der 100-m-Auftaktdisziplin
- Abbruch nach ungültigem Versuch im Weitsprung

Nur dreißig Meter lang ist die Leichtathletik-Welt für Roland Schwarzl in Ordnung gewesen, dann gab der Muskel im rechten Oberschenkel nach und der Zehnkämpfer trudelte ins Ziel der Auftaktdisziplin. Nach einem Versuch mit dem Mut des Verzweifelten im Weitsprung musste der Olympia-Zehnte von Athen 2004 die Sinnlosigkeit des Unterfangens anerkennen und gab auf. "Das ist ein Tiefschlag, aber ich werde wiederkommen", befand sich Schwarzl emotional in einer Putt-Stellung.
Für Schwarzl war es nach einer Reihe von Verletzungen und Erkrankungen das erste Antreten bei globalen Titelkämpfen seit vier Jahren. In der Form seines Lebens habe er sich in den vergangenen Wochen befunden, bei den Staatsmeisterschaften glänzte er in drei Disziplinen. Besonders bitte ist für den 28-Jährigen, dass er überhaupt nicht dazu kam, im Olympiastadion sein Leistungsvermögen zu zeigen. "Ich hatte eine gute Saison, es ist so schade, es wäre eine gute Platzierung drinnen gewesen, aber da kann man jetzt nichts mehr machen." Aufgegeben hat auch bereits Vizeweltmeister Maurice Smith aus Jamaika.
30 Meter und dann Schmerz
Gleich um 10.05 Uhr war Schwarzl im ersten Lauf über 100 m an den Start gegangen, nach nur 30 Metern schoss ihm ein als Krampf gefühlter Schmerz ins Bein, folglich stellte der Österreicher ab und kam in 11,69 Sekunden als 37. unter 38 Teilnehmern in die Ergebnislisten. Nach einem Weitsprungversuch entschied ÖLV-Arzt Andreas Kröner gegen ein weiteres Antreten. Er diagnostizierte ein Muskelfaserproblem am Bein-Bizeps am Übergang von Sehne zu Muskel. Ob es eine Zerrung oder ein Einriss ist, sollen weitere Untersuchungen zeigen.
Schwarzl hofft, dass die Verletzung, die den Traum vom guten Comeback auf großer Bühne zerplatzen ließ, keine gravierende ist. "Wenn ich den Lauf durchgezogen hätte, wäre vielleicht der Muskel gerissen. Ich hatte also keine andere Möglichkeit, ich musste abstellen." Sichtlich mitgenommen war auch Ehefrau und Trainerin Sandra Schwarzl. "Ich stehe total unter Schock und glaube, ich bin im falschen Film." Wenn er rasch wieder fit wird, möchte der Mehrkämpfer heuer noch einen Zehnkampf absolvieren, am ehesten im September in Talence.
Leistungszentrum fraglich
Das Trainerteam von Schwarzl umfasste in der WM-Vorbereitung seine Frau, Gerald Bauer und Rana Reider, künftig wird man aber wohl ohne Reider auskommen müssen. Der US-Amerikaner soll bereits Zusagen für den Cheftrainerposten in einem geplanten Bundesleistungszentrum für Leichtathletik in Rif gehabt haben, aus dem nun möglicherweise aber doch nichts wird, berichten die Salzburger. Die Schwarzls hatten sich in den vergangenen Monaten sehr darum bemüht, viele Athleten hätten davon profitiert, zum Beispiel auch Sprinter Ryan Moseley.
"Nach der ÖM hieß es, es ist fix, jetzt haben wir gelesen, es wird doch nichts. Das hat Roli sehr belastet", erzählte Sandra Schwarzl. "Für eine gute Leistung muss nicht nur der Körper passen. Aber der Grund für das Ausscheiden hier ist, dass der Muskel nicht gehalten hat", wollte Roland Schwarzl nicht nach Ausreden suchen. Weshalb der Körper nachgab, darf aber hinterfragt werden.
(apa/red)
