Start für die Könige der Leichtathleten:
Zehnkämpfer machen ihren Weltmeister aus
- Roland Schwarzl will sich unter der Elite etablieren
- Größere Leistungsdichte als in den letzten Jahren
Laufen, springen, werfen - nur wer es schafft, in zehn Einzelwettkämpfen die Konzentration zu bewahren, Ausrutscher wegzustecken und anschließend zu kompensieren, wird am Ende unter den Besten der Leichtathletik-Welt zu finden sein. Der Zehnkampf ist die Königsdisziplin im Stadion-Oval und Teamplayer Roland Schwarzl würde nie etwas anderes machen wollen. Ab heute verfolgt der Wahl-Salzburger bei den Weltmeisterschaften in Berlin das Ziel, seinen persönliche Bestleistung von 8.102 Punkten zu übertreffen. Topfavoriten gibt es keinen, doch der Mehrkampf ist auch ohne Knaller ein Knüller.
Im Zehnkampf ist die Dichte größer geworden, ein Generationswechsel hat stattgefunden, die Jungen drängen nach. Die Zeiten, als ein Roman Sebrle das Geschehen dominierte und mit 9.026 Punkten Weltrekord aufstellte (2001 in Götzis) sind vorbei. Die Fähigkeiten, seinen Titel erfolgreich zu verteidigen, besitzt der Tscheche aber immer noch. "Er ist immer noch Medaillenfavorit, wenn nicht Titelanwärter für die WM. Aber es werden viele um die Medaillen mitreden, es sind viele dabei, die so ein Leistungsniveau haben", prognostiziert der Österreicher Schwarzl. Die Jahresweltbestleistung hält der Kubaner Leonel Suarez mit 8.654, Sebrle brachte es auf 8.348.
Feld ist zusammengerückt
Schwarzl begrüßt den Status quo des Zehnkampfes. "Es sind nicht mehr so große Knaller dabei, die 9.000 Punkte machen, aber das braucht es auch nicht. Das hat man bei den Frauen gesehen, wie spannend das ist, wenn fünf knapp beieinander liegen und im letzten Lauf um die Medaillen kämpfen. Ich hoffe, das wird bei den Männern auch so sein. Das ist hundertmal interessanter für die Zuschauer, als wie wenn zwei vorne weg sind und die hinteren um Ränge laufen. Das macht das Ganze transparenter, spannender." Das Feld sei zusammengerückt, es gäbe 25, 30 Leute, die zwischen 8.000 und 8.400 Punkte machen können.
Der Olympia-Zehnte von Athen geht in Berlin schmerzfrei an den Start, nach mehr als zwei Jahren des Leidens genießt Schwarzl seit Jahresbeginn dieses Gefühl, vertraut seinem Körper und seiner Form. "Ich denke schon, dass ich in der besten Form bin, in der ich jemals war", stellte der gebürtige Osttiroler, der in Kärnten aufgewachsen ist, fest. "Ich habe vergangenes Jahr viele Mehrkämpfe gemacht, aber auf einem anderen Leistungsniveau. Dieses Jahr hatte ich zwei gute, ich hoffe, dass ich das weiter steigern kann." Die Saisonbestleistung des Hallen-EM-Bronzemedaillengewinners von Madrid 2005 steht bei 7.971 (31. Mai, Götzis).
Erstes Großevent seit vier Jahren
Berlin ist sein erstes großes globales Event seit vier Jahren. Bei der WM 2005 in Helsinki litt Schwarzl bereits unter allerdings erst später diagnostiziertem Pfeiffer'schen Drüsenfieber, das er Ende 2006 nach 18 Monaten endlich erfolgreich bekämpft hatte. Zwischen 16./17. September 2006 und 10./11 Mai 2008 hatte er wegen diverser Verletzungen (u.a. Sehnenrissen) keinen Zehnkampf bestritten, den Comeback-Wettkampf brach er wegen einer Muskelverhärtung im rechten Oberschenkel ab. Infolge musste der HSZ-Soldat mit dem Verpassen der Olympia-Qualifikation eine weitere schmerzliche Erfahrung machen.
Die Vergangenheit ist abgehakt, der Dank gilt den Sportförderungsstellen, die nie den Glauben an den Paradeathleten (2,00 m, 92 kg) verloren haben. Das Ziel hat der 28-jährige Schwarzl ohnehin nie aus den Augen verloren. "Er hat nie an seiner Rückkehr gezweifelt und ich schon überhaupt nicht", sagte seine Ehefrau Sandra Schwarzl, die gemeinsam mit Rana Reider und Gerald Bauer die Trainingsbetreuung über hat.
Selbstvertrauen fehlt noch
"Es ist der beste Schwarzl, den ich je gesehen habe. Er hat nur noch nicht das Vertrauen zu sich selbst, dass er weiß: 'Hey, ich bin wieder da!' Er muss im Kopf noch checken, dass er es wirklich drauf hat. Die letzten Jahre haben ihm im Kopf so viel Kraft gekostet, er hatte immer wieder Rückschläge, deshalb ist er noch etwas vorsichtig", sagte die frühere Läuferin, die sich am besten fühlt, "wenn Roli trainiert und es ihm gut geht".
Mit dem Druck, der auf Schwarzl lastet, kann er gut umgehen. "Du musst zehnmal fit sein, aber wenn du einmal patzt, kannst du es wieder gut machen. Erst bei den 1.500 Metern wissen wir, was los ist, vorher brauchen wir nicht zu rechnen oder nachzudenken. Bei der WM zählt nur die Platzierung, aber er will unbedingt seine Bestleistung verbessern und ich bin fast überzeugt, dass er es schafft", gibt sich die Trainerin zuversichtlich und verrät die Ziele für die Zukunft: "Bis Olympia 2016 machen wir sicher weiter. Und er macht sicher eine Medaille bei einem Großereignis. In welchem Jahr kann ich nicht sagen, aber wir machen sie. Für das leben wir 24 Stunden am Tag."
(apa/red)

