Mittwoch, 19. August 2009

Roland Schwarzl ist in seiner besten Form:
Zehnkämpfer sucht Anschluss an die Spitze

  • Verbesserung des persönlichen Rekordes als Ziel
  • Schwarzl: 'Habe vollstes Vertrauen in meinen Körper'

Zehnkämpfer Roland Schwarzl feiert ab heute bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin seine Rückkehr bei einem globalen Großereignis. Der 28-Jährige hat sich nach von Verletzungen und Krankheiten geplagten Jahren die Verbesserung seines persönlichen Rekordes von 8.102 Punkten zum Ziel gesetzt.

Frage: Wann kommt bei Ihnen die Disziplin, wo Sie sagen, das muss jetzt funktionieren, damit ich mein Ziel noch erreichen kann?
Schwarzl: "Wenn es nach acht Disziplinen so ausschaut, dass ich mein Ziel nicht erreiche, dann kann ich es mit zwei Disziplinen nicht mehr gutmachen. Wenn es am ersten Tag gut läuft und der Stabhochsprung vorbei ist, dann ist sie Sache fast schon geritzt. Im Speerwurf habe ich ein bisserl zugelegt in diesem Jahr, da kann ich an meine Bestleistung ran werfen oder drüberkommen. Stabhochsprung ist so eine Schlüsseldisziplin, wegen des Windes, der Einstiegshöhe, dass man keinen Nuller macht. Der Stabhochsprung ist ein Knackpunkt bei jedem."

Frage: Sie sind nach einigen Verletzungen seit heuer wieder richtig zurück unter den Königen der Leichtathletik. Welche Gefühle sind da aufgekommen?
Schwarzl: "Es war schon bei der Hallen-EM in Turin so, dass viele mir auf die Schulter geklopft und gesagt haben, es freut uns, dass du wieder den Anschluss geschafft hast, wieder verletzungsfrei bist. Die meisten Mehrkämpfer wissen, was es heißt, nach Verletzungen wieder zurückzukommen. Natürlich ist es lässig, wieder in der Elite dabei zu sein, ich habe mich gleich gut aufgenommen gefühlt. Ich hoffe natürlich, dass ich weiterhin in die erweiterte Weltspitze vordringen kann und schön langsam wieder meine Ziele verfolgen kann, die ich schon 2004 hatte. Dass ich wieder an Medaillen rankomme."

Frage: Was haben Sie stark vermisst?
Schwarzl: "Das Wettkampfgefühl, man kann einen Mehrkampf nicht mit einem Einzelwettkampf vergleichen, das ist was komplett anderes. Die meisten Mehrkämpfer kennt man, zumindest von den Ergebnislisten. Es ist eine andere Herausforderung, in einem Mehrkampf gegen einen Konkurrenten anzutreten als in einem Einzelwettkampf."

Frage: Sie haben starke Leistungen gezeigt heuer. Ist es der beste Schwarzl aller Zeiten?
Schwarzl: "Ja, es schaut schon so aus. Im Training bringe ich Superleistungen, ich fühle mich auch wirklich gut. Es muss in einem Zehnkampf nicht alles passen, aber viele Dinge. Vom Gefühl her, vom Körper her passt es ganz gut. Ich bin sicherlich noch nicht am Zenit, ich habe eine gute Zeit hinter mir, in der ich kontinuierlich trainieren konnte, in der ich gute Wettkämpfe absolviert habe. Mir fehlt es einfach noch ein bisserl an Routine, die mir in den letzten Jahren abhandengekommen ist. Ich denke schon, dass ich in der besten Form bin, in der ich jemals war. Ich muss nur schauen, dass ich es halbwegs auf die Bahn bringe."

Frage: Bei Großereignissen zählen die Platzierungen, was ist Ihr Ziel?
Schwarzl: "In erster Linie schaue ich, dass ich einen guten Wettkampf mache. Ich schaue nicht großartig auf Platzierungen, das kann man sowieso nie im Vorhinein sagen. Das habe ich auch nie gesagt, vor allem wenn das Teilnehmerfeld so riesengroß ist, da kann so viel passieren. In Athen habe ich auch gesagt, wenn ich unter die Top Fünfzehn komme, ist das super lässig, und dann bin ich Zehnter geworden. Ich habe einfach geschaut, dass ich einen guten Wettkampf mache, das versuche ich jetzt wieder, an meine Bestleistung ranzukommen, wenn möglich drüber."

Frage: Wo könnte man sich mit 8.100 Punkten einreihen?
Schwarzl: "Wenn ich einen für mich zufriedenstellenden Wettkampf mache und 25. bin, dann ist es zwar nicht von der Platzierung her das, was gewisse Leute von mir, von einem Leichtathleten erwarten, aber wenn man seine beste oder eine gute Leistung bringt und 24 andere besser waren, ist es so. Aber ich glaube nicht, dass es passieren wird, dass man mit 8.100 Punkten 25. wird. Es könnte sein, dass man Zehnter oder Fünfzehnter ist, aber auch Achter. Wer weiß, was passiert? Es werden sicher zwei anstrengende Tage werden."

Frage: Rufen Sie sich manchmal die Erlebnisse von Athen vor Ihrem inneren Auge ab?
Schwarzl: "Sicher, ich hole mir schon das Gefühl wieder herauf, wie es war, wie es gelaufen ist. (Einwurf von Sandra Schwarzl: "Das Athen-Video schauen wir uns alle paar Wochen an, zuletzt vor ein paar Tagen"). Es ist ja etwas Gutes, positive Momente hervorzuholen, das hilft einem auch in der Zukunft immer wieder, vor allem, wenn du negative Gedanken bekommst, wenn du abdriftest. Das hilft, wieder in die richtige Richtung zu kommen. Es ist schwierig, das während eines Wettkampfes zu machen, aber ich versuche es."

Frage: Haben Sie wieder hundertprozentiges Vertrauen in Ihren Körper?
Schwarzl: "Mir sind ja einige Dinge passiert, Verletzungen, Krankheiten, aber im Großen und Ganzen habe ich vollstes Vertrauen in meinen Körper. Es können immer Sachen passieren, es werden sicher zwei heiße Tage werden. Wenn man nicht genug trinkt, können Krämpfe passieren, Muskelverletzungen auftreten. Im Training und den Wettkämpfen habe ich nie Probleme gehabt oder mich um ein Gelenk oder eine Muskulatur sorgen müssen."

(apa/red)

19.8.2009 07:24