"Mein Gott, Zweifel bleiben immer":
10,0-Mann Hary zeigt leichtes Misstrauen
- Deutscher lief 100 Meter als Erster in zehn Sekunden
- Würde heutige Sprinter gern auf Aschenbahn sehen

Die Fabel-Weltrekorde des jamaikanischen Sprinters Usain Bolt lösen nicht nur Begeisterung aus, sondern auch Misstrauen. "Mein Gott, Zweifel bleiben immer. Und sie werden immer größer", sagte etwa der deutsche Ex-Weltrekordler Armin Hary, der zusammen mit 51.000 Zuschauern im Berliner Olympia-Stadion live erlebte, wie Bolt in unfassbaren 9,58 Sekunden zum WM-Titel über 100 m raste.
"Einige leben ganz gut mit den Zweifeln, die anderen schlechter", meinte der 72-jährige Sprint-Olympiasieger von Rom 1960 am Montag im Gespräch mit der dpa. "Bolt wird auch die 200 Meter gewinnen. Ganz klar: Das sind hier die Weltmeisterschaften von Jamaika! Auf lange Sicht tut so etwas der Leichtathletik nicht gut. Langfristig muss man andere Wege gehen. Mit den Dopingkontrollen, das muss schneller gehen. Sonst hinkt man immer einen Schritt hinterher."
Hary hatte am 21. Juni 1960 auf dem Letzigrund in Zürich für die Sensation gesorgt, als er auf der Aschenbahn die 100 Meter als erster Sprinter weltweit in 10,0 Sekunden rannte. "Ich möchte die Herren Sprinter von heute einmal sehen, die würden entsetzt sein und sich nie auf eine Aschenbahn trauen. Bolt müsste sich da mächtig anstrengen, bei seiner Größe und seinem Gewicht auf diese Zeit zu kommen. Mit meinen alten Spikes und vier Zentimeter langen Dornen", betonte Hary.
Ein Ausflug auf die Aschenbahn kommt aber selbst für Show-Man Bolt nie infrage. "Da liegen so viel Steinchen rum, die bremsen, und man kann stolpern", sagte der dreifache Olympiasieger von Peking 2008. Die 10,0 vor mehr als 49 Jahren fand er zwar respektabel, vom schnellen Armin hat er aber nie etwas gehört: "Hary what?"
"Wir müssen all das, was wir über menschliches Leistungsvermögen wissen, überdenken. Ich habe früher über Fantasie-Zeiten von 9,5 Sekunden gesprochen. Er hat Fantasie Realität werden lassen", meinte Ato Boldon aus Trinidad und Tobago, 1997 Weltmeister über 200 Meter. "Er hat nicht nur die Leichtathletik, sondern den Sport insgesamt auf ein neues Level gehoben."
(apa/red)
