Donnerstag, 20. August 2009

Geschichte muss geschrieben werden:
Rapid hofft gegen Aston Villa auf einen Sieg

  • Pacult: "Immer für außergewöhnliche Leistung gut"
  • Engländer mit Schwächen hinten und Stärken vorne

Von allen vier österreichischen Europacup-Startern steht der österreichische Fußball-Rekordmeister SK Rapid heute (19.15 Uhr/live auf NEWS.at) wohl vor der schwierigsten Aufgabe. Die Hütteldorfer treten im Hinspiel der vierten und letzten Qualifikationsrunde für die Europa-League-Gruppenphase im Hanappi-Stadion gegen den englischen Spitzenclub Aston Villa an und kämpfen dabei auch gegen einen "Fluch" - in 14 K.o.-Duellen mit Teams von der Insel zogen immer die heimischen Vertreter den Kürzeren.

Für Trainer Peter Pacult ist diese Statistik eher ein zusätzlicher Ansporn als ein Grund zur Schwarzmalerei. "Ich habe den Spielern gesagt, dass sie gegen Aston Villa ein Stück Rapid-Geschichte schreiben können", verriet der Wiener und erinnerte in diesem Zusammenhang an einige erfolgreiche Europacup-Auftritte der Grün-Weißen. "Rapid hat eine gewisse Europacup-Vergangenheit. Selbst wenn es einmal in der Meisterschaft nicht so gelaufen ist, war Rapid im Europacup immer für außergewöhnliche Leistungen gut. Ich hoffe, das gelingt uns auch in diesen zwei Spielen."

Vor zehn Tagen saß der Coach beim 1:0-Testspiel-Sieg der Engländer gegen Fiorentina im Villa-Park, außerdem besitzt er drei DVDs von Heimspielen des Meistercup-Siegers von 1982 und wurde von Chefscout Fritz Riedmüller über die 0:2-Niederlage am Samstag gegen den Paul-Scharner-Club Wigan informiert. Auf Tipps von Scharner verzichtete Pacult. "Wir haben so viele Infos eingeholt, ich wüsste nicht, was er uns viel Neues sagen könnte."

Villa-Defensive als Schwachpunkt
Aufgrund seiner Erkenntnisse wittert Pacult, der auf den gesperrten Stefan Maierhofer sowie auf die rekonvaleszenten Branko Boskovic und Veli Kavlak verzichten muss, eine Chance. "Wir haben ballsichere Spieler, da könnte es möglich sein, dass wir uns durchspielen können." Als Schwachpunkt bei Aston Villa gilt die Defensive, dafür bezeichnete der 49-Jährige die Angriffs-Abteilung sowie Goalie Brad Friedel als Prunkstück. "Die zwei Stürmer (Anm.: Emile Heskey und Gabriel Agbonlahor) und die zwei Außenspieler (James Milner und Ashley Young) sind sehr stark."

Nicht zuletzt aus diesem Grund sind laut Pacult die Rollen klar verteilt. "Ein Verein, der in der Premier League Sechster wird, kann kein schwacher Gegner sein. Aston Villa ist mit sehr viel Qualität bestückt und Favorit, wir klarer Außenseiter." Als möglichen Vorteil sieht der Trainer aber die Tatsache, dass die "Villians" im Gegensatz zu fast allen Gegnern in der Bundesliga im Hanappi-Stadion selbst aktiv werden könnten. "Sie versuchen in erster Linie über außen zu kommen und den Ball flach zu halten. Das ist kein 'Kick-and-Rush'-Fußball. Sie werden nach vorne spielen und es liegt an uns, dagegenzuhalten und selbst zu Chancen zu kommen."

"Jeder fiebert diesem Match entgegen"
Während Aston Villa in dieser Saison erst ein Liga-Match absolvierte, hat Rapid schon acht Pflichtspiele in den Beinen. Zwei davon gingen über 120 Minuten, im Europacup gegen APOP Kyniras und zuletzt am Samstag im Cup gegen Parndorf. "Aber es war lange genug Zeit, zu regenerieren. Die Mannschaft macht einen guten Eindruck. Man merkt schon die Anspannung, jeder fiebert diesem Match entgegen. Es ist nicht alltäglich, gegen eine Premier-League-Mannschaft um den Europacup-Aufstieg zu spielen, das macht zusätzliche Kräfte frei."

Zusätzliche Kräfte könnte auch ein neuer Spieler bringen: Der am vergangenen Freitag unter Vertrag genommene norwegische Innenverteidiger Ragnvald Soma darf gegen Aston Villa mit seinem Rapid-Debüt spekulieren, auch wenn sich Pacult nicht in die Karten blicken ließ. Der 29-Jährige wäre für seine Premiere in Grün-Weiß bereit. "Sollte ich spielen, werde ich mein Bestes geben."

Soma sieht großartigen Teamgeist
Seine ersten Eindrücke über den neuen Arbeitgeber sammelte Soma beim mühsamen Cup-Aufstieg Rapids in Parndorf. "Das Spiel war nicht das beste, aber in der Mannschaft gibt es viele gute Spieler, einen guten Mix aus Alt und Jung und einen großartigen Teamgeist", analysierte der fünffache norwegische Internationale, dem erzählt wurde, "dass die Fans von Rapid zu den großartigsten in ganz Europa zählen".

Von den 17.800 Zuschauern im ausverkauften Hanappi-Stadion werden 17.500 im Lager von Rapid stehen - nur rund 300 Villa-Anhänger traten die Reise nach Wien an. Aufgrund des Kartenverkaufs und der TV-Einnahmen dürfen sich die Hütteldorfer rund um dieses Match über Brutto-Einnahmen von knapp 500.000 Euro freuen.

SK Rapid Wien - Aston Villa:
(Hanappi-Stadion, 19.15 Uhr,
SR Alexandru Dan Tudor/ROM).

Rapid: Payer - Dober, Jovanovic/Soma, Eder, Katzer - Hofmann, Heikkinen, Pehlivan, Trimmel - Konrad, Jelavic
Ersatz: Hedl - Patocka, Kulovits, Thonhofer, Ildiz, Drazan
Es fehlen: Maierhofer (gesperrt), Gartler, Kavlak, Boskovic (alle ekonvaleszent)

Aston Villa: Friedel - Beye, Cuellar, Davies, Shorey - Milner, Sidwell, Petrow, A. Young - Agbonlahor, Heskey
Ersatz: Guzan, Marshall - Lichaj, Clark, Lowry, Gardner, Albrighton, Delph, Reo-Coker, Delfouneso, Carew
Es fehlen: L. Young (Muskelblessur), Bouma (Knöchelverletzung), Downing (Fußbruch), Salifou (erkrankt)

Rückspiel am 27. August im Villa-Park von Birmingham - der Aufsteiger steht in der Gruppenphase der Europa League.

(apa/red)

20.8.2009 07:27