Donnerstag, 20. August 2009

Große Showbühne für den Testfahrer:
Ersatzmann Badoer gibt Debüt in Valencia

  • Karrierebilanz: 49 Starts, kein Sieg, keine Punkte
  • Badoers letzter Einsatz datiert vom Oktober 1999

Für den langersehnten Formel-1-Auftritt im Ferrari hätte Luca Badoer sogar auf Italiens Super-Jackpot gepfiffen, auch der Spott von Niki Lauda interessiert den Ersatz-Ersatzmann nicht. Auch wenn der Italiener - der erste in einem Ferrari seit 1994 - keine erfolgversprechende Bilanz vorlegen kann, will er dank des Beistands von Berater Michael Schumacher die größte Chance seiner mit Ausnahme eines Olympia-Auftritts unspektakulären Karriere nutzen. "Ich bin froh, dass Michael beim Team sein wird. Ich bin sicher, dass er mir einige wichtige Tipps geben kann", sagte Badoer - auch als "Fan und Bewunderer" des Rekordchampions.

Badoer hat sich für die rasante Raserei durch Spaniens schicke Hafenstadt Valencia keine Ziele gesetzt - außer ankommen. Der Druck ist dennoch groß. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sprach von einer einmaligen Gelegenheit, die das Schicksal Badoer mit den kommenden Renneinsätzen biete. Ex-Weltmeister und Ferrari-Pilot Lauda lästerte und sprach von einer "Katastrophe" für Ferrari. "Er spricht über alle schlecht. Es hätte mich auch gewundert, wenn er etwas Positives gesagt hätte", konterte der Italiener, dessen größter Auftritt in einem Ferrari-Renner bisher seine Showeinlage zur Eröffnung der Olympischen Winterspielen in Turin war.

Aus Show wird nun Ernst. "Seine Aufgabe hat eigentlich immer genau darin bestanden, für den Fall der Fälle, für diese Situation fit zu sein", erklärte Schumacher, der seine Rückkehr aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Nun soll der 40-jährige Deutsche mit seiner ganzen Routine von 250 absolvierten Grand Prix, 91 GP-Siegen und sieben WM-Titeln dem gerade mal zwei Jahre jüngeren Mann aus Montebelluna Starthilfe geben. Dessen ernüchternde Karriere-Maße in der Königsklasse: 49-0-0. 49 Starts, kein Sieg, keine Punkte - erfolgloser war noch keiner. Badoers letzter Einsatz datiert vom Oktober 1999.

Schwere Aufgabe wartet
Sein Formel-1-Debüt absolvierte Badoer 1993 in Südafrika in einem Lola-Ferrari. Seine beste Platzierung: Rang sieben im selben Jahr. Nur die ersten Sechs bekamen damals jedoch Punkte. Badoer schlug sich danach in den zweitklassigen Teams Minardi-Ford und Fonti-Ford durch. Seit 1999 ist er als Testfahrer für Ferrari im Einsatz. In seinen neuen Dienst-Leihwagen stieg Badoer am Montag und Dienstag für einen PR-Termin - das ist erlaubt, offizielle Testfahrten sind strengstens untersagt. "Ich habe einen guten Eindruck bekommen und es ist offensichtlich, dass auf mich eine schwere Aufgabe in Valencia wartet", räumte Badoer ein.

Um sie zu stemmen, bereitete er sich körperlich auch mit den Schumacher-Ärzten der Sportklinik in Bad Nauheim vor. Vom Rekordweltmeister selbst, mit dem er in dessen Vorbereitung auf das geplatzte Comeback schon zusammen Kart gefahren war, erhofft sich Badoer das Fein-Tuning für die Erfüllung seines Kindheitstraums. Und der ist für Badoer mit Geld nicht zu bezahlen. "Ferraris Auftrag ist für mich, als hätte ich den Super-Jackpot geknackt. Hätte ich die Wahl zwischen dem Lotto-Jackpot und Ferrari, würde ich sofort die Formel 1 wählen", sagte er in einem Interview der "Gazzetta dello Sport". Offen ist aber, ob er auf der Strecke endlich ein großes Los zieht.
(apa/red)

20.8.2009 13:03
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts