Ermittlungen gegen Labor-Mitarbeiter:
Seibersdorf im Visier der Dopingfahnder
- Steckt womöglich mit Matschiner unter einer Decke
- Derzeit kein Tatverdacht gegen Laboratorium selbst
Die Staatsanwaltschaft Wien hat einen Bericht der Tageszeitung "Kurier" bestätigt, demzufolge das von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) akkreditierte Labor in Seibersdorf ins Visier der "SoKo Doping" geraten ist. Wie Behördensprecher Gerhard Jarosch gegenüber der APA darlegte, wird konkret gegen einen Seibersdorf-Mitarbeiter ermittelt, der sich an unrechtmäßigen Machenschaften des Sportmanagers Stefan Matschiner beteiligt haben könnte.
Gegen das Labor selbst würden keine Erhebungen geführt, betonte Jarosch. Die Institution stünde derzeit unter keinem strafrechtlich relevanten Tatverdacht.
Matschiner, gegen den seit Monaten wegen Blutdoping und Weitergabe von illegalen Präparaten ermittelt wird, hatte Anfang August in einem TV-Interview erklärt, seine Athleten - darunter der ehemalige Radprofi Bernhard Kohl - nicht nur mit Doping-Substanzen beliefert zu haben. Er habe außerdem deren Urinproben in einem Doping-Analyselabor illegal auf den Nachweis von Doping-Mitteln testen lassen.
Matschiner wurde daraufhin neuerlich von der "SoKo Doping" einvernommen. Laut Staatsanwalt Jarosch soll er dabei seine Angaben bezüglich der Urinproben präzisiert haben. SoKo-Sprecher Gerald Tatzgern betonte allerdings am Donnerstag gegenüber der APA, Matschiner habe in diesem Zusammenhang niemals den Namen Seibersdorf genannt: "Es sind niemals Namen oder ein Ort gefallen."
Weitere Befragungen
Es gebe allerdings "berechtigte Gründe", weshalb die SoKo auf den Seibersdorf-Mitarbeiter gekommen sei: "Verdächtige und mögliche Täter werden bei uns ja nicht per Zufallsgenerator gefunden." Nähere Angaben konnte Tatzgern aus ermittlungstaktischen Gründen dazu nicht machen. Der betreffende Mitarbeiter sei von der SoKo bereits befragt worden. Auch zum Inhalt seiner Angaben wollte sich Tatzgern nicht äußern. Die SoKo wird auf jeden Fall in naher Zukunft weitere Seibersdorf-Mitarbeiter befragen.
Ob am Ende dem in Verdacht geratenen Labor-Mitarbeiter Beihilfe zum Doping oder illegale Geldflüsse - Matschiner soll für die Testvornahmen seinen Angaben zufolge regelmäßig bezahlt haben - nachgewiesen werden können, ist derzeit völlig offen.
(apa/red)

