Bestechungen im WADA-Laboratorium?Seibersdorf ist um Aufklärung bemüht
- Kontroll-Labor sagt SOKO Doping Unterstützung zu
- Ein Mitarbeiter befragt, weitere Ermittlungen laufen

Das Dopingkontroll-Labor in Seibersdorf hat versichert, die Sonderkommission Doping im Bundeskriminalamt bei den Ermittlungen bezüglich mutmaßlicher Bestechung von Mitarbeitern in jeder Hinsicht zu unterstützen. Ein Beschäftigter sei am Mittwoch von den Kriminalbeamten vernommen worden, weitere Einvernahmen seien geplant, verlautbarte das von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA akkreditierte Labor.
"Das Dopingkontroll-Labor in Seibersdorf unterstützt selbstverständlich die SOKO Doping nach besten Kräften. Als Dopingkontroll-Labor haben wir das größte Interesse daran, dass allfällige Vorwürfe gegen Mitarbeiter oder Ex-Mitarbeiter mit aller Sorgfalt aufgeklärt werden", betonte Laborleiter Günter Gmeiner via Aussendung. Die Ermittlungen in Seibersdorf dürften durch die Aussagen von Sportmanager Stefan Matschiner, u.a. ehemaliger Betreuer von Ex-Radprofi und Dopingsünder Bernhard Kohl, ausgelöst worden sein.
Matschiner hatte in einem Interview behauptet, seine Schützlinge nicht nur mit Doping-Mitteln beliefert zu haben, sondern auch, dass er Urinproben seiner Sportler durch von ihm bezahlte Mitarbeiter in WADA-Analyselabors illegal habe testen lassen. Er nannte jedoch keine Namen von Labors, sagte lediglich, dass es sich mehr als um nur eines handle und sich diese in Mitteleuropa befinden sollen.
Konsequenzen für das "Schwarze Schaf"
Daraufhin hatte die Staatsanwaltschaft Wien angekündigt, dass Matschiner, dem ein Strafverfahren nach dem Anti-Doping-Gesetz droht, erneut befragt werden soll. Das Labor vermutet, die SOKO dürfte der "Beschuldigtenaussage" nun nachgegangen sein. Sollte sich wider Erwarten ein Schwarzes Schaf im Mitarbeiterstab finden, werden entsprechend den strengen Richtlinien "etwaige Verfehlungen mit aller Konsequenz behandelt", betonte Gmeiner.
Die Führung des Analyselabors in Seibersdorf hatte im Zuge der Doping-Affäre um die mittlerweile geständige, zurückgetretene und wegen Bestechung zu drei Monaten bedingter Haft verurteilte Triathletin Lisa Hütthaler stets betont, dass Bestechung nicht möglich sei. Hütthaler hatte erfolglos versucht, eine Labor-Mitarbeiterin in Seibersdorf mit 20.000 Euro dazu zu bringen, ihre B-Probe negativ ausfallen zu lassen.
Verärgert reagierte Seibersdorf-Sprecher Michael Hlava auf die Berichterstattung der Tageszeitung "Kurier", die in ihrer Donnerstagausgabe davon berichtete, dass das Labor "im Zentrum kriminaltechnischer Ermittlungen der SOKO Doping" stehe und dies aus dem Umfeld des Labors in Erfahrung gebracht worden sei. Das Labor sei von der Zeitung dazu nicht befragt worden, sagte Hlava zur APA.
Keine undichte Quelle
Hlava schloss eine undichte Quelle in Seibersdorf aus und verwies auf die Verstrickungen von Matschiner mit seinem Ex-Schützling Hütthaler, die wiederum im Kurier in einem Exklusivinterview eine Doping-Beichte abgelegt hatte.
Hütthaler hatte unter anderem gemeint, dass sie von Ex-Radprofi Hannes Hempel den Hinweis bekommen habe, dass Bestechung in Seibersdorf möglich sei. Seit 2002 ist das Labor vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und in der Folge seit 2004 von der WADA für die Analyse von Dopingproben akkreditiert. Dadurch unterliege die Einrichtung strengen und mehrfach gesicherten Qualitätskriterien, bekräftige Hlava.
(apa/red)
