Nur lauter Wahlsieger in Afghanistan: Karzai & Abdullah reklamieren Sieg für sich
- Wahlbeteiligung lag diesmal bei 40 bis 50 Prozent
- Britische "Times" berichtet von Fällen von Wahlbetrug

·UNO-Lob für die
Wahlen in Afghanistan
Wahl-Ergebnis wird
mit Spannung erwartet
·Rahmenbedingungen der Afghanistan-Wahl
Wer kandidiert und
was wird alles gewählt?
·Manipulationen und Hinterzimmer-Deals
Was bereits vor den Wahlen alles schief läuft?
·Schicksalswahl für US-Präsident Obama?
Wird Afghanistan etwa zum "zweiten Vietnam"?
·CNN-VIDEO: Über
Wahlen in Afghanistan
Kann Demokratie im Krisengebiet überleben?
Einen Tag nach der Präsidentenwahl in Afghanistan haben die Wahlkampfteams von Amtsinhaber Hamid Karzai und seinem Herausforderer Ex-Außenminister Abdullah Abdullah nach eigenen Zählungen den Sieg für ihren jeweiligen Kandidaten reklamiert. Nach Angaben der Wahlkommission in Kabul dürften sich 40 bis 50 Prozent der Stimmberechtigten an dem Urnengang beteiligt haben. Wie ein Sprecher der Kommission sagte, war die Beteiligung in den verschiedenen Landesteilen unterschiedlich stark, "aber immer noch zufriedenstellend". Während der Abstimmung sind nach Angaben der Kommission insgesamt elf Wahlhelfer getötet wurden.
Islamistische Taliban haben einen Lastwagen mit Stimmzetteln attackiert und dabei einen Wahlhelfer getötet. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, griffen die Rebellen das Fahrzeug, das Wahlunterlagen aus dem nordafghanischen Ort Ziagird nach Mazar-i-Sharif bringen sollte, am Donnerstagabend mit einer Panzerabwehrrakete an. Der Lastwagen sei dadurch in Brand geraten; ein Wahlhelfer sei ums Leben gekommen. Der Vorfall ereignete sich direkt vor Mazar-i-Sharif. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, kamen bei einer Explosion in der südlichen Provinz Helmand auch zwei britische Soldaten ums Leben.
Karzais Wahlkampfmanager Din Mohammad sagte am Freitag in Kabul: "Unsere Zahlen zeigen, dass wir genügend Stimmen haben, um zu gewinnen, ein zweiter Wahlgang ist damit nicht nötig." Ein Sprecher Abdullahs wies dies als "Propaganda" zurück und sagte, nach ersten Auszählungen liege vielmehr der Herausforderer in Führung. Der Sprecher Fazil Sansharaki sprach von Teilresultaten, nach denen Karzais Herausforderer über 60 Prozent, der amtierende Präsident jedoch nur 30 habe.
Wahlbetrug?
Aus dem Lager von Abdullah hieß es, es gebe Berichte über Wahlbetrug in einigen südlichen Provinzen des Landes, wo Karzai vermutlich viele Stimmen bekam. Die britische Zeitung "The Times" berichtete von einem solchen möglichen Fall. So seien in einem Wahllokal in der Nähe von Kabul in der ersten Stunden 5.530 Stimmen registriert worden. Ein Reporter der Zeitung sah dort bei der Öffnung um 08.00 Uhr aber keinen einzigen Wähler.
Außer über ihren Präsidenten hatten die Afghanen auch über 420 Mandate in den 34 Provinzparlamenten zu entscheiden. Erst am 17. September sollen die offiziellen Endergebnisse vorliegen. Sollte keiner der Bewerber um das Präsidentenamt die absolute Mehrheit erreichen, kommt es nach derzeitiger Planung Anfang Oktober zu einer Stichwahl zwischen den beiden stimmenstärksten.
Wahl "anscheindend erfolgreich"
Nach Ansicht von NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verliefen die Wahlen "unter dem Blickwinkel der Sicherheit besser als erwartet". US-Präsident Barack Obama nannte die Wahl "anscheinend erfolgreich". Gleichzeitig bekräftigte er, weiterhin gegen Extremisten am Hindukusch vorgehen zu wollen. "Wir müssen sicherstellen, dass wir uns wirklich darauf konzentrieren, den Job in Afghanistan zum Abschluss zu bringen." Die EU-Kommission hat die Bewerber zur Zurückhaltung aufgerufen. "Wir möchten derzeit alle Kandidaten ermutigen, den Wahlablauf zu respektieren und keine verfrühten Ankündigungen über einen möglichen Ausgang zu machen", sagte ein Sprecher der Kommission am Freitag in Brüssel.
Die Einschüchterungsversuche der Taliban haben nach Einschätzung des deutschen Experten Thomas Ruttig im Südosten des Landes Erfolg gehabt. "Ausgenommen von wenigen städtischen Zentren gab es eine sehr geringe Wahlbeteiligung", sagte der Ko-Direktor des Afghanistan Analysts Networks. "Die Kampagne der Taliban hat schon ziemlich weit getragen und die Wahlbeteiligung auf jeden Fall gedrückt." Ruttig hatte die Wahl in der südostafghanischen Provinz Paktia beobachtet.
(apa/red)
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