Freitag, 21. August 2009

Neues Flüchtlingsdrama vor Lampedusa?
Überfahrt forderte angeblich 78 Todesopfer

  • Fünf überlebende Flüchtlinge berichteten über Unglück
  • Schiffe leisteten Migrantenboot scheinbar keine Hilfe

Der italienische Innenminister Roberto Maroni hat von den sizilianischen Justizbehörden eine Untersuchung gefordert, um die Hintergründe eines möglichen Flüchtlingsdramas im Mittelmeer zu prüfen. Mit der Ermittlung sollen die Behörden die Glaubwürdigkeit eines Berichts von fünf Flüchtlingen aus Eritrea prüfen, die von der italienischen Küstenwache 19 Seemeilen von Lampedusa völlig erschöpft und dehydriert aufgegriffen worden waren. Sie berichteten, weitere 78 Personen, die mit ihnen an Bord waren, seien bei der Überfahrt gestorben. Ihre Leichen wurden den Berichten zufolge ins Wasser geworfen.

Die Afrikaner sollen 23 Tage auf offener See verbracht haben, weil sie die Orientieren verloren hatten und Treibstoff, Wasser und Nahrungsmittel ausgegangen waren. Die fünf erschöpften und traumatisierten Überlebenden, darunter eine Frau und zwei Minderjährige, wurden von den Behörden auf Lampedusa behandelt. Sie konnten nur auf wenige Fragen antworten. Sie berichteten, dass sie während der Fahrt mehrere Schiffe gesehen hatten, keiner habe ihnen jedoch Hilfe geleistet.

Keine Hilfe geleistet?
Das Flüchtlingsboot war von maltesischen Schiffen gesichtet worden, die im Rahmen der EU-Mission Frontex die europäischen Gewässer vor Libyen patrouillierten. "Sollte der Bericht bestätigt werden, muss man sich Gedanken machen, warum diese Menschen 20 Tage lang auf offener See verbringen mussten, ohne dass ihnen Hilfe geleistet wurde. Oft überwiegt die Angst vor der Pflicht, in Seenot geratene Personen zu retten" sagte Laura Boldrini, Sprecherin des Flüchtlingswerks UNHCR.

Es ist das erste Mal seit mehreren Wochen, dass Bootsflüchtlinge aus Afrika Lampedusa erreichen und nicht umgehend nach Libyen zurückgeschickt werden. Italien hatte diese Vorgangsweise erstmals im Mai bei auf hoher See aufgegriffenen Flüchtlingen angewendet. Die Rückführung der Flüchtlinge ist durch eine Verbesserung des libysch-italienischen Verhältnisses möglich geworden. Neben den fünf Migranten aus Eritrea wurde vor Lampedusa ein Boot mit weiteren 40 Flüchtlingen aufgegriffen. (apa/red)

21.8.2009 08:44