Freitag, 21. August 2009

Empörung über Empfang des Lockerbie-
Attentäters: "Er ist ein Terrorist, kein Held"

  • Miliband: "Äußerst bedauerlich und erschütternd"
  • USA: Konsequenzen für das künftige Verhältnis
    Schottischer Justizminister rechtfertigt Freilassung

Der Empfang für den freigelassenen Lockerbie-Attentäter in seiner Heimat Libyen hat in Großbritannien heftige Empörung ausgelöst. Heftige Kritik kam vom britischen Außenminister Miliband. Jubelnde Menschenmassen hatten den krebskranken Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi am Donnerstagabend am Flughafen in Tripolis empfangen. Zuvor hatte ihn der schottische Justizminister begnadigt.

Es sei "äußerst bedauerlich und erschütternd", wie ein Massenmörder in der libyschen Hauptstadt als Held willkommen geheißen werde, sagte Miliband dem Radiosender BBC. Ob die Entscheidung für Megrahis Freilassung richtig gewesen sei, wollte Miliband nicht kommentieren.

Auch die USA kritisierten den begeisterten Empfang in Libyen. "Er ist ein Terrorist, kein Held", sagte ein Sprecher des Außenamtes. Wenn Libyen ihn nun zum Helden stilisiere, dann werde dies Konsequenzen für das künftige Verhältnis haben. Der Sprecher des Weißen Hauses, Rober Gibbs, hatte Abdel Basset al-Megrahi zuvor als Massenmörder bezeichnet.

Schottische Abgeordnete kritisierten unterdessen, dass die schottische Flagge bei der Ankunft des 57-Jährigen geschwenkt wurde. "Ich habe mich niemals für meine Landesflagge geschämt. Aber zu sehen, wie sie dafür missbraucht wird, einen Massenmörder zu feiern, ist abscheulich", sagte der Labour-Abgeordnete Russell Brown.

Krebs im Endstadium
Al-Megrahi war 2001 für den Anschlag im Dezember 1988 lebenslang verurteilt worden. Bei dem Attentat auf die Maschine über dem schottischen Ort Lockerbie kamen 270 Menschen ums Leben, die meisten davon waren US-Amerikaner. Al-Megrahi leidet an Prostatakrebs und hat nach Angaben von Ärzten nur noch wenige Monate zu leben. Seine Freilassung war in den USA auf scharfe Kritik gestoßen. US-Präsident Obama bezeichnete die Entscheidung der Schotten als "Fehler". Al-Megrahi sollte unter Hausarrest gestellt werden.

Der schottische Justizminister MacAskill verteidigte im amerikanischen Fernsehen unterdessen seine Entscheidung. "In Schottland gibt es im Rechtswesen Mitgefühl. Deshalb wurde ihm (al-Megrahi) gestattet, nach Hause zu gehen und zu sterben."
(apa/red)

21.8.2009 11:56