Lockerbie-Attentäter Megrahi freigelassen: Aus humanitären Gründen - ist krebskrank
- Libyer wurde 2001 wegen Massenmordes verurteilt
- Viele Angehörige der Opfer reagierten entsetzt

Die schottischen Behörden haben den schwer krebskranken libyschen Lockerbie-Attentäter Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi auf freien Fuß gesetzt. Der wegen des Anschlags auf ein US-Linienflugzeug über dem schottischen Lockerbie im Jahr 1988 verurteilte ehemalige Geheimdienstagent kann aus humanitären Gründen in seine Heimat zurückkehren. Eine offizielle Bestätigung aus Edinburgh gab es vorerst noch nicht.
Bereits während der Presseerklärung des schottischen Ministers wurde von der libyschen Regierung in Tripolis mitgeteilt, dass Megrahi auf freien Fuß gesetzt worden sei. Der Rundfunksender BBC hatte zuvor berichtet, dass ein Flugzeug auf dem Weg von Libyen nach Schottland sei, das Megrahi in seine Heimat bringen solle.
Angehörige entsetzt
Viele Angehörige der Opfer hatten auf eine mögliche vorzeitige Entlassung des Attentäters entsetzt reagiert. Auch US-Außenministerin Clinton und mehrere US-Senatoren hatten gefordert, Al-Megrahi die ganze Strafe von 27 Jahren in dem Gefängnis bei Glasgow verbüßen zu lassen. Bei dem Anschlag vor fast 21 Jahren hatte eine Bombe die PanAm-Maschine in der Luft zerfetzt und auf den schottischen Ort Lockerbie stürzen lassen.
"Er geht nach Hause, um zu sterben."
Nach einer ausführlichen Schilderung der Beweggründe für seine Entscheidung betonte MacAskill vor allem die schwere Erkrankung des früheren libyschen Geheimagenten. "Megrahi sieht derzeit dem Urteil einer höheren Instanz entgegen", sagte MacAskill. "Es ist tödlich, endgültig und unumkehrbar. Er wird sterben", betonte der Minister. "Er geht nach Hause, um zu Sterben." Vor allem die USA hatten Bedenken gegen die frühzeitige Freilassung geäußert, während schottische Opfervertreter Verständnis dafür äußerten, dass Megrahi Gnade gewährt werden soll.
MacAskill wies Vorwürfe, die Freilassung beruhe einer Vereinbarung zwischen der britischen und libyschen Regierung, auf mehrmalige Journalistenfragen entschieden zurück. Er habe strikt nach dem schottischen Strafvollzugsrecht entscheiden, das eine vorzeitige Freilassung von todkranken Häftlingen aus humanitären Gründen erlaube. Megrahi sei ein Mann, der laut medizinischen Gutachten "weniger als drei Monate" zu leben habe, betonte er. "Es handelt sich um eine Entscheidung, die ich getroffen habe und zu der ich stehe", wies MacAskill Spekulationen über einen politischen Hintergrund der Freilassung zurück. Es gehe nicht nur darum, Gerichtsurteile zu vollstrecken, "sondern wir müssen dies auch mit Gnade tun". Mit der Freilassung Megrahis stelle er auch keineswegs dessen Verurteilung wegen des Lockerbie-Anschlags infrage.
Kritik von Präsident Obama
US-Präsident Barack Obama hat die Freilassung des Lockerbie-Attentäters als "einen Fehler" kritisiert. Gleichzeitig forderte Obama in einem Interview die libysche Regierung auf, Abdel Basset Ali Mohammed al-Megrahi bei seiner Rückkehr keinen Empfang zu bereiten und ihn anschließend unter Hausarrest zu stellen.
(apa/red)
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