Hildegard Behrens ist in Tokio verstorben:
Deutsche Opernsängerin wurde 72 Jahre alt
- Tod in einem japanischen Krankenhaus eingetreten
- Sängerin dank Opern von Wagner & Strauss berühmt

Die international renommierte deutsche Sopranistin Hildegard Behrens ist tot. Sie starb am Dienstag in einem Krankenhaus in Tokio im Alter von 72 an Aneurysma, wie eine Sprecherin der "Kanshinetsu Music Society Foundation" auf Anfrage mitteilte. Behrens war vor allem als Sängerin der dramatischen Sopranpartien in den Opern Richard Wagners und Richard Strauss' bekannt und trat an den bedeutenden Opernbühnen der Welt auf.
Sie hatte sich anlässlich des Kusatsu Sommer Musikfestivals in Japan aufgehalten, wie die Sprecherin der Organisation weiter mitteilte. Das Kusatsu International Music Academy and Festival ist nach eigenen Angaben die älteste Sommer Musikakademie in Japan. Behrens sollte in dem gleichnamigen Ort Kusatsu nahe Tokio an diesem Donnerstag auftreten. Behrens habe sich plötzlich nicht wohl gefühlt, sagte die Sprecherin. Sie starb in einer Klinik in Tokio.
Behrens, die 1995 zur Kammersängerin der Wiener Staatsoper ernannt wurde, hatte zu Wien eine "riesige Affinität", wie sie einmal in einem APA-Interview sagte. "In der Wiener Staatsoper singt's sich herrlich", lobte Behrens, sie schätzte die "wunderbare Akustik" und das "sachverständige Publikum" des Hauses am Ring. Hier sang sie zahlreiche Abende und Rollen, u.a. Anfang der 1990er bei der Premiere der Adolf Dresen-Inszenierung von Wagners "Ring des Nibelungen".
Musikbegeisterte Familie
Als jüngstes von sechs Kindern einer Landarztfamilie am 9. Februar 1937 in Varel (Niedersachsen) geboren (nach anderen Angaben: 1941) wuchs Behrens in einer musikbegeisterten Familie auf. Wie alle Geschwister lernte sie Klavier und Geige. Nach dem Abitur studierte sie Jus in Freiburg und machte das Erste juristische Staatsexamen. Ihre Karriere als Sängerin begann 1972 beim Ensemble der Düsseldorfer Rheinoper. Nach einigen kleineren Rollen sang sie die Marie in Alban Bergs "Wozzeck".
Herbert von Karajan hörte sie während einer Probe und bot ihr 1977 sofort die Hauptrolle in Richard Strauss' "Salome" bei den Salzburger Festspielen an, wo ihre Weltkarriere begann. Zuvor sang sie 1976 die Giorgetta in Giacomo Puccinis Oper "Il Tabarro" an der New Yorker Metropolitan Opera. Seither standen ihr alle großen Bühnen offen. Die Schwerpunkte ihres breiten Repertoires waren die Opern von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner und Strauss. Vor allem mit ihren Rollen in Wagners Opern feierte sie glänzende internationale Erfolge.
Unter prominenten Fittichen
So übernahm sie 1979 in Peter Busses "Walküre"-Inszenierung die Partie der Sieglinde und war in Monte Carlo damit so erfolgreich, dass sie anschließend zu Gastspielen nach Düsseldorf, München und an die New Yorker Met verpflichtet wurde. Behrens sang unter den bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit, darunter Herbert von Karajan, Karl Böhm, Leonard Bernstein, Wolfgang Sawallisch und Lorin Maazel.
Als Krönung ihrer langen Karriere verstand sie selbst ihre Partie in der Luciano-Berio-Oper "Cronaca del Luogo", die zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 1999 unter Ovationen uraufgeführt worden war. 1998 wurde Behrens mit dem Leonie-Sonning-Musikpreis ausgezeichnet. Im Jahr 2003 erhielt die Sängerin den Prix Herbert von Karajan aus Anerkennung für ihre legendären Darbietungen mit dem großen Maestro.
(apa/red)

