Arktis im Sommer bald völlig eisfrei?
Eisdecke schmilzt derzeit drastisch schnell
- Forscher: Warmes Klima lässt Polkappe schrumpfen
- Temperaturen weltweit um rund 0,6 Grad gestiegen

Die Eisdecke am Nordpol ist im Juli erneut drastisch geschmolzen. Nach Angaben von Forschern sind jeden Tag durchschnittlich 106.000 Quadratkilometer Eis getaut. Das entspricht beinahe der Fläche Bulgariens. Bei anhaltender Eisschmelze könnte das arktische Eis damit dieses Jahr so klein werden wie nie zuvor, teilte das US-Institut für Schnee-und Eisdaten (NSIDC) mit.
Während die Temperaturen im letzten Jahrhundert weltweit im Schnitt um etwa 0,6 Grad angestiegen sind, war die Erwärmung in der Arktis mehr als doppelt so hoch. Walt Meier vom NSIDC gab an, dass das Wetter in diesem Jahr dem Klima von 2007 ähnele, als das Polareis auf sein bisheriges Rekordminimum von 4,3 Millionen Quadratkilometer geschrumpft war.
Neuer Tiefstwert erreicht?
Die Eiskappe dehnte sich zwar noch über 6,75 Millionen Quadratkilometer. Auch gehe die Geschwindigkeit der Eisschmelze, die sich im Juli beschleunigt habe, seit einigen Tagen zurück. Dennoch könnte die Eisfläche bis September - wenn der arktische Sommer zu Ende geht - noch unter den Tiefstwert schrumpfen, warnte Meier.
Meier rechnet damit, dass das im Winter neu gefrierende Eis nur eine dünne, schwache Schicht bilden werde. Während dicke Eisschichten früher über Jahre bestehenblieben, überdauern die in den Wintern gefrierenden dünnen Eisdecken heute die Sommer nicht mehr, wie Meier erklärte. Die US-Behörde zur Überwachung der Ozean-und Atmosphärenqualität (NOAA) hat im April prognostiziert, dass der arktische Sommer schon binnen 30 Jahren fast gänzlich eisfrei sein könnte - nicht wie ursprünglich erwartet erst Ende des Jahrhunderts. (apa/red)
