Dienstag, 11. August 2009

Dschungellöwe hat Appetit auf Österreich:
Kameruns Eto'o ist besonders torhungrig

  • Kameruner erzielte vergangene Saison 36 Liga-Tore
  • 37 Treffer in 80 Partien für Kameruns Nationalteam

Österreichs Fußball-Nationalteam bekommt es in Klagenfurt im Testspiel gegen Kamerun mit einem der besten Stürmer der Welt zu tun. In 143 Pflichtspielen für den FC Barcelona erzielte Samuel Eto'o 98 Treffer, zuletzt feierte er auch zumindest einen persönlichen Erfolg bei seinem neuen Club Inter Mailand. Das italienische Supercup-Finale in Peking ging zwar gegen Lazio 1:2 verloren, doch für den Ehrentreffer für den Meister zeichnete der 28-Jährige verantwortlich.

"Ich bin ein Dschungellöwe. Ich gebe niemals auf", sagt Eto'o über sich selbst. Sein rebellischer Charakter trug wohl wesentlich zu seinen Erfolgen bei, bescherte ihm aber auch so manchen Konflikt. "Madrid, cabron, saluda al campeon", rief er bei der Meisterfeier von Barcelona vor vier Jahren sechs Mal in Folge ins Mikrofon, was frei übersetzt so viel bedeutet wie: "Grüßt den Meister, ihr Arschlöcher von Real Madrid."

Die "Königlichen" hatten Eto'o als 15-Jährigen in die spanische Hauptstadt geholt und ihn danach mehrmals verliehen, ehe ihn der FC Barcelona 2004 unter Vertrag nahm - die Titelgewinne 2005, 2006 und 2009 sowie die Champions-League-Siege 2006 und 2009 mit den Katalanen waren seine süße Rache am verhassten Ex-Club.

36 Liga-Tore in einer Saison
Doch trotz aller Erfolge machte sich Eto'o auch in Barcelona nicht nur Freunde. Vor zwei Jahren trug er seine Meinungsverschiedenheiten mit den damaligen Barca-Stars Ronaldinho und Deco in der Öffentlichkeit aus und vor einem Jahr war der Kameruner von Trainer Josep Guardiola eigentlich schon ausgemustert. Eto'o aber schwieg, trainierte verbissen und fand zurück in die Mannschaft, mit der er anschließend das Triple aus Champions League, Meisterschaft und Cup gewann und dabei 36 Tore erzielte.

Dennoch war die Zeit des "unbezähmbaren Löwen" bei den Katalanen abgelaufen. Gerüchte über Zerwürfnisse mit Club-Kollegen machten die Runde, und Guardiola tat wenig, um sie zu entkräften, als er kurz vor dem Eto'o-Wechsel zu Inter im Juli meinte: "Es ist das Beste für die Mannschaft, für den Club und wahrscheinlich auch für ihn selbst, wenn er geht."

Dick im Geschäft
So wurde Eto'o Bestandteil eines der spektakulärsten Transfer-Deals der vergangenen Jahre. Barca schickte den Torjäger samt 45 Millionen Euro nach Mailand und erhielt dafür Zlatan Ibrahimovic. Zumindest finanziell hat es sich Eto'o dadurch nicht verschlechtert, immerhin soll der leidenschaftliche Sammler von Luxus-Karossen beim neuen Arbeitgeber von Marko Arnautovic jährlich neun Millionen Euro kassieren.

Im Club-Fußball ist Eto'o seit Jahren eine unbestrittene Größe, im Nationalteam blieb auf WM-Ebene der ganz große Wurf aber noch aus. Dabei debütierte er bereits 1996 als 14-Jähriger in der A-Auswahl seines Landes und war WM-Teilnehmer 1998 (beim 1:1 gegen Österreich auf der Bank) und 2002, schied allerdings immer in der Gruppenphase aus. Ein Start bei der WM 2006 wurde knapp verpasst.

WM-Teilnahme wackelt
Und auch für ein Mitwirken in Südafrika 2010 sind die Vorzeichen denkbar ungünstig. Nach zwei Partien liegt Kamerun in der vier Teams umfassenden Gruppe A mit nur einem Punkt am Tabellenende. Da nur der Sieger an der Endrunde teilnimmt, muss Eto'o mit dem Viertelfinalisten der WM 1990 unbedingt die beiden Partien gegen Gabun Anfang September gewinnen, um im Rennen zu bleiben.

Auf 37 Treffer in 80 Partien brachte es Eto'o bisher in Kameruns Nationalteam, mit dem er 2000 und 2002 Afrika-Cup-Sieger wurde. Beim Kontinental-Bewerb ist er mit insgesamt 16 Treffern bester Torschütze aller Zeiten. Außerdem erhielt der Olympiasieger von Sydney 2000 von 2003 bis 2005 drei Mal in Folge die Trophäe für Afrikas Fußballer des Jahres und wurde 2007 zum viertbesten afrikanischen Kicker der vergangenen 50 Jahre gewählt.
(apa/red)

11.8.2009 20:18