Finanzkrise beutelt den Fußballsektor:
Vereine bekommen große Schwierigkeiten
- Uli Hoeneß: "Vereine fallen wie Dominosteine um"
- Bayern in ein paar Jahren "reichster Klub der Welt"

Fußball-Manager Uli Hoeneß sieht wegen der Finanzmarktkrise viele europäische Vereine vor großen Schwierigkeiten. Wer vor der Krise Harakiri gefahren sei, wackle nun, sagte er dem Magazin "Focus Money". Es werde so kommen, dass viele Vereine wie Dominosteine umfallen. "Clubs wie Valencia in Spanien oder Portsmouth in England stehen mit dem Rücken zur Wand. In Italien ist die gesamte zweite Liga pleite, nicht viel besser sieht es in der ersten Liga aus", sagte der Manager des FC Bayern.
Auch eine Kreditklemme hat Hoeneß bei Fußballvereinen ausgemacht: "Es gibt schlicht und ergreifend keinen Kredit. Welche Sicherheiten will ein finanzschwacher Club den Banken denn anbieten? Etwa einen Spieler, der im schlimmsten Fall schon morgen ein Sportinvalide sein kann?"
Zwar gebe es auch Vereine, die nach wie vor Geld hätten, teilweise hätten diese aber auch immense Schulden. "Real Madrid hat zum 30. Juni 2009 573 Mio. Euro Miese - und hat jetzt noch mal rund 250 Mio. Euro zusätzlich investiert", sagte Hoeneß.
Bayern lehnt Investoren ab
"Solange Investoren wie Abramowitsch das Geld zur Verfügung stellen, ist alles wunderbar. Verlieren sie die Lust an ihren Spielzeugen, droht der Super-Gau", sagte der Manager. Auch der FC Bayern habe in den vergangenen Jahren unzählige Angebote von Investoren bekommen, sagte Hoeneß. "Wir wollten weiter unabhängig unsere Entscheidungen treffen können - und haben solche Offerte deshalb stets abgelehnt." Gänzlich ohne Investoren steht allerdings auch der FC Bayern nicht da. 10 Prozent des Clubs gehören seit 2001 dem Sponsor Adidas.
Der Club sei kerngesund, betonte Hoeneß. "Wir spüren die Wirtschaftskrise nicht, wenn man von kleineren Blessuren wie leicht sinkenden Merchandising-Umsätzen absieht." Das berühmte Festgeldkonto gebe es dagegen nicht mehr, sagte Hoeneß. Das habe man investiert, um das zusammen mit dem Lokalrivalen 1860 München gebaute Stadion ganz zu übernehmen. "Wenn wir in einigen Jahren die Kredite getilgt haben, fallen jährliche Kosten von 30 Mio. Euro weg. Auf diesen Tag freue ich mich schon jetzt, denn dann sind wir der reichste Club der Welt", sagte Hoeneß.
(apa/red)
