Usain Bolt hat ein neues Zeitalter eröffnet:
Jamaikaner hält 9,4 Sekunden für möglich
- Fabel-Sprinter auf dem Weg zur lebenden Legende
- 200-Meter-Bewerb soll angeblich schwieriger werden
PLUS: Tyson Gay will in der Niederlage Größe zeigen
·Usain Bolt stößt in
neue Dimensionen vor
9,58 Sekunden: Neue 100-Meter-Traummarke
·Schnappschüsse von
der Leichtathletik-WM
Die besten BILDER aus dem Berliner Stadion
·Zeitplan und Termine
der LA-WM in Berlin
Insgesamt 47 WM-Titel werden diesmal vergeben
·Rekorde, Triumphe und glänzendes Metall
Berlin: Die Weltmeister
und Medaillengewinner
·Liste der Titelträger der WM 2007 in Osaka
US-Sprintstaffeln sind wieder großer Favorit

Die Uhr zeigte 23.10 und die Medienplätze im Olympiastadion von Berlin waren noch gut besetzt. Das lag daran, dass die Pressekonferenz mit Usain Bolt noch nicht lange zu Ende war und so mancher wohl noch etwas brauchte, um in Worte zu fassen, was ihn eineinhalb Stunden zuvor bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in einen Schockzustand versetzt hatte. Der Jamaikaner indes ließ sich nochmals auf der blauen Bahn blicken, trabte auf und ab, machte Späßchen, posierte für Pocketkamera-Fotos und verschwand lächelnd in den Katakomben. Mit seinem Abgang ging auch das Licht aus.
9,58 Sekunden für 100 m. Bolt hatte seinen taggenau vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen in Peking aufgestellten Weltrekord um 11/100 Sekunden verbessert. Der zweitplatzierte US-Amerikaner Tyson Gay lief in 9,71 neuen US-Rekord und zur Silbermedaille, war aber nicht mehr als das Beiwerk dazu, etwas anderes fast übermächtig erscheinen zu lassen. Das Bolt-Zeitalter hat begonnen, Grund, sich zu fürchten, denn der dreifache Olympiasieger, der am Freitag erst 23 Jahre wird, hat gerade erst angefangen. "Ich habe gesagt, 9,4 ist möglich, aber da ist Schluss. Aber man weiß ja nie. Wir machen einfach weiter und laufen unsere Rennen."
"Ich bin stolz auf mich"
Auch wenn er nicht für Weltrekorde seine Spikes anziehe, so sei er an diesem Sonntagabend definitiv bereit gewesen dafür. Er hatte das perfekte Rennen. "Ich bin stolz auf mich. Das ist ein großer Moment in der Geschichte, aber man weiß nie, was morgen geschieht", meinte er ohne Überschwang. Lamine Diack, der Präsident des Weltverbandes, fühlte sich sichtlich großartig, bei diesem Ereignis dabei gewesen zu sein. "Ich bin stolz, das miterlebt zu haben. Es ist eine neue Seite in der Geschichte unseres Sports aufgeschlagen worden. Das sind großartige Champions. Sie tragen die Verantwortung für unsere Jugend und unseren Sport."
Eine lebende Legende wolle er werden, sagte Bolt, und sieht sich selbst davon aber noch weit entfernt. "Zwei Saisonen reichen dafür nicht. Dazu benötigt es die harte Arbeit über Jahre, um dahinzukommen." Da wären dann zunächst Mal die 200 Meter, deren Vorläufe am Dienstag auf dem Programm stehen, in dieser Disziplin ist er Weltrekordler mit 19,30. "Das wird schwieriger werden, denn Tyson ist dort besser, aber ich werde mein Bestes geben, wie ich es immer tue." Gay verzieht keine Miene, wenn er so etwas hört. Die Jahresweltbestzeit von 19,58 Sekunden hält der dreifache Osaka-Titelverteidiger, dem Sonntagabend aber eine Trophäe bereits mit einer Wucht entrissen wurde, dass er auf wackeligen Beinen steht.
Gay will in der Niederlage Größe zeigen
Dabei plagt Gay ohnehin die Leiste, auch wenn sie ihn über 100 m nicht behinderte. "Ich fühle jetzt einen Schmerz und muss mir nun ansehen, wie ich mich erhole, und mit den Ärzten reden, ob sich die 200 m ausgehen", meinte er jedoch auf der Pressekonferenz. Mit ziemlicher Sicherheit würde sich Gay die nächste Abfuhr abholen, aber er wird nicht freiwillig vorzeitig das Feld räumen, sondern notfalls wieder in der Niederlage Größe zeigen. "Ich freue mich, dass Usain Weltrekord gelaufen ist. Ich habe ja gesagt, dass man 9,5 laufen kann. Doch auch ich habe noch Reserven, ich bin mit meinem Rennen heute aber zufrieden", gab sich der US-Amerikaner fürs Erste geschlagen.
(apa/red)
