Freitag, 14. August 2009

Eishockey-Österreich hat neuen Teamchef:
Bill Gilligan soll uns aus der B-Gruppe holen

  • US-Amerikaner bleibt Headcoach der Graz 99ers
  • Kalt: "Er war von Anfang an unser Wunschkandidat"

Österreich Eishockey-Verband hat mit Bill Gilligan seinen Wunschkandidaten für das verwaiste Amt des Teamchefs verpflichtet. Wie der ÖEHV bekanntgab, wird der bei den Graz 99ers engagierte US-Amerikaner in einer Doppel-Funktion auch das Nationalteam betreuen. Der 55-Jährige einigte sich nach Verhandlungen mit Präsident Dieter Kalt und Verbandskapitän Giuseppe Mion über einen vorläufigen Vertrag über eine Saison bis kommenden Sommer.

Gilligan arbeitete bereits 1985 als Assistent-Coach unter Ludek Bukac für die österreichische Nationalmannschaft. Als Trainer war er außer bei den Grazern auch erfolgreich für den KAC tätig. "Bill kennt nicht nur die Spieler, sondern auch die Mentalität der Österreicher. Er ist ein 'Sir' unter den Eishockeytrainern und bereit, mit uns den Weg in die Zukunft zu gehen", meinte Präsident Kalt, der sich bei den Grazern für ihr Entgegenkommen bedankte. Das Betreuerteam werde nun nach den Vorstellungen des neuen Trainers zusammengestellt.

Wunschkandidat
"Er war von Anfang an unser Wunschkandidat. Wir sind schon vor längerer Zeit an ihn herangetreten, aber es war nicht einfach. Erst als wir das Okay aus Graz bekommen haben, sind wir an ihn herangetreten", berichtete Verbandskapitän Mion von den Gesprächen. "Seine Vergangenheit verspricht einiges für uns. Er war auch in der Schweiz bei Bern und mit dem Nationalteam erfolgreich." Gillligan kenne die Spieler und habe auch gute Kontakte in der österreichischen Eishockey-Szene.

Der ehemalige Stürmer war 1979 erstmals in Österreich aufgetaucht. Als Spieler war er für den WEV, später für Stadlau tätig. Als Trainer führte Gilligan den KAC von 1985 bis 1988 viermal in Folge zum österreichischen Meistertitel, mit dem SC Bern holte er 1989, 1991 und 1992 dreimal den Schweizer Titel. Anschließend war Gilligan Sportdirektor in Bern und Schweizer Teamchef (WM-Vierter 1992), ehe er zurück in die USA ging und Assistenz-Coach an der University of Massachusetts-Amherst wurde. Vor seinem Engagement in Graz war er erneut in der Schweiz für Rapperswil tätig.

Sofortiger Wiederaufstieg kein Muss
Österreichs Verband hatte Mitte Juni den Vertrag des bisherigen Coaches Lars Bergström nicht verlängert. Unter dem Schweden war man bei der A-WM in der Schweiz einmal mehr in die B-Gruppe abgestiegen. Der Wiederaufstieg bei der nächstjährigen B-WM in Tilburg im April 2010 wird von Gilligan aber nicht zwingend erwartet. Unter dem Amerikaner soll der Neuaufbau des Teams forciert werden, Wunsch ist laut Mion deshalb schon jetzt eine längerfristige Zusammenarbeit.

"Es ist nicht unbedingt ein Muss, dass wir gleich wieder aufsteigen. Ziel ist es, eine neue Mannschaft aufzubauen. Es drängen sich viele junge, engagierte Leute auf und wir haben Routiniers im besten Alter", erklärte Mion. Ein Vorteil sei auch, dass Gilligan die österreichischen Spieler durch den Liga-Alltag in der EBEL permanent beobachten könne. Kontakt mit anderen Teamchef-Kandidaten sei jedenfalls keiner aufgenommen worden. Mion: "Wir haben es nur bei ihm probiert und sind glücklich, dass es geklappt hat."


Die Eishockey-Teamchefs seit 1977:
1977 - 1980:Walter Znenahlik (AUT)
1980 - 1986:Rudi Kilias (SUI)
1986 - 1991:Ludek Bukac (CSSR)
1991 - 1996:Ken Tyler (CAN)
1996 - 2002:Ron Kennedy (CAN)
2002 - 2005:Herbert Pöck (AUT)
2005 - 2007:Jim Boni (CAN)
2007 - 2009:Lars Bergström (SWE)
seit 2009:Bill Gilligan (USA)



(apa/red)

14.8.2009 15:08