Samstag, 15. August 2009

Endlich treffen Tyson und Bolt aufeinander:
Showdown der beiden Schnellsten der Welt

  • 100-m-Finale Highlight des ersten WM-Wochenendes
  • In eigener Liga: "Es geht hier nur um uns beide"

Es ist nicht ganz freiwillig gewesen, dass Usain Bolt und Tyson Gay einander erst einmal auf der 100-m-Sprintstrecke begegnet sind. Dass der US-Amerikaner vom damaligen Shootingstar aus Jamaika am 31. Mai 2008 im Icahn-Stadion von Randalls Island (New York) aber eine ordentlich Watschn kassierte, hat der 27-Jährige bis heute nicht vergessen. Geht es nach Gay, ist heute im WM-Finale im Berliner Olympiastadion die Zeit der Revanche gekommen. Geht es nach Bolt, wird daraus nichts werden.

Bei den Olympischen Spielen in Peking hatte sich der angeschlagene Gay nicht für das Finale qualifiziert, und auch die Vorbereitung auf die WM in Berlin hat der dreifache Titelverteidiger (100 m, 200 m, 4x100 m) nicht ganz nach Wunsch absolviert. Einen Start beim Meeting in Cottbus sagte er wegen Leistenproblemen ab, am Donnerstag gab er jedoch Entwarnung: "Ich war bei meinem Arzt. Er sagte, ich soll mich nur auf mein Rennen konzentrieren." Damit das Ziel erreicht wird: "Ich möchte den Titel gewinnen. Und ich möchte den Weltrekord brechen."

"Es geht hier nur um uns beide"
Gegeneinander zu laufen haben Gay, der sei 10. Juli in Rom mit 9,77 Sekunden die Jahresweltbestzeit hält, und Bolt (9,79 am 17. Juli in Paris) in dieser Saison vermieden. Nur der Super-Grand-Prix in London brachte sie zusammen an einen Schauplatz, aber nicht in denselben Lauf: Bolt gewann die 100 m, Gay die 200. Dass der Jamaikaner Asafa Powell (Bestzeit heuer 9,88) den beiden ihre große Show verderben könnte, mag niemand so recht glauben. Schon überhaupt nicht Gay: "Es geht hier nur um uns beide", stellte dieser klar.

Überhaupt präsentierte sich der Mann aus Kentucky wortgewaltiger als der schnellste Mann des Planeten. "Eine 9,6er-Zeit ist machbar und mein Ziel. Er hat bereits präsentiert, was er kann. Ich hingegen habe mein ganzes Talent noch nicht gezeigt." Eine Kampfansage an den Kontrahenten, der seit den Sommerspielen mit 9,69 die Bestmarke hält und gelassen bleibt: "Das ist wirklich ein großes Duell, aber niemals ein Fight", meinte Bolt getreu dem Motto: Lasst die Taten sprechen.

Die beiden respektieren einander, wechseln aber kaum Worte. Vergangene Woche fand eine Zufallsbegegnung in München in der Praxis des deutschen Sportmediziners Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt statt, es blieb bei knappen Erkundigungen nach dem Befinden des jeweils anderen.


Entwicklung des 100-m-Weltrekordes:
9,95 Sek.Jim HinesUSA14.10.68 Mexiko-Stadt
9,93Calvin SmithUSA03.07.83 Colorado Springs
9,92Carl LewisUSA24.09.88 Seoul
9,90Leroy BurrellUSA14.06.91 New York
9,86Carl LewisUSA25.08.91 Tokio
9,85Leroy BurrellUSA06.07.94 Lausanne
9,84Donovan BaileyCAN27.07.96 Atlanta
9,79Maurice GreeneUSA16.06.99 Athen
9,77Asafa PowellJAM14.06.05 Athen
9,77Asafa PowellJAM11.06.06 Gateshead
9,77Asafa PowellJAM18.08.06 Zürich
9,74Asafa PowellJAM09.09.07 Rieti
9,72Usain BoltJAM01.06.08 New York
9,69Usain BoltJAM16.08.08 Peking



(apa/red)

15.8.2009 22:36