Keine Chance, aber nicht ohne Hoffnung:
Sieben ÖLV-Athleten bei der LA-WM in Berlin
- Erwartungshaltungen sind durchaus bescheiden
- Speerwerfer Mayer hofft auf Einzug ins Finale
·Zeitplan und Termine
der LA-WM in Berlin
Insgesamt 47 WM-Titel werden diesmal vergeben
·Liste der Titelträger der WM 2007 in Osaka
US-Sprintstaffeln sind wieder großer Favorit
·Ein einziger Fehlstart und du bist draußen!
IAAF segnet besonders strenge Regelung ab
·"Anti-Doping-Kampf ist nicht erfolgreich"
Matschiner ließ Proben
in WADA-Labors checken

Sieben ÖLV-Athleten haben sich für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Samstag bis 23. August im Berliner Olympiastadion qualifiziert, maximal fünf werden auch an den Start gehen. Vom Osaka-WM-Trio von 2007 ist niemand mit dabei, von den Olympiateilnehmern 2008 nur einer - die Erwartungshaltungen sind wie zuletzt stets bei Großereignissen deshalb bescheiden. Top-Zwölf-Ränge von Zehnkämpfer Roland Schwarzl und Diskuswerfer Gerhard Mayer (würde Finalteilnahme bedeuten) wären als gute Erfolge zu werten.
Neben Schwarzl und Mayer sind Neo-Österreicher Ryan Moseley (100 m) und die Steirerin Elisabeth Pauer (Speerwurf) in der deutschen Bundeshauptstadt fix mit dabei, Sprinterin Bettina Müller-Weissina musste noch einen Leistungsnachweis von 11,50 Sekunden erbringen. Abgesagt haben die über den Marathon qualifizierten Günther Weidlinger und Andrea Mayr, die wegen Verletzungen keine optimale Vorbereitung absolvieren konnten. Das Limit verpasst hat u.a. 400-m-Läufer Clemens Zeller, dem die Achillessehne zu schaffen macht.
Vor zwei Jahren in Japan war der 38. Platz von Zeller die beste rot-weiß-rote Platzierung gewesen, Weidlinger stürzte im Hindernisrennen, Mayr wurde Steeple-41. Bei den Olympischen Spielen in Peking landete Mayer im Diskus-Bewerb auf Platz 18, Weidlinger wurde über 10.000 m 27. und Marathonläuferin Eva Maria Gradwohl kam auf Rang 57.
ÖLV stellt Ansprüche
"Für Osaka und Peking haben sich jeweils nur drei qualifiziert, dieses Mal sieben. Das heißt, wir haben ein bisserl mehr Niveau. Wesentlicher als die Anzahl der Athleten erscheint mir aber, wie sie abschneiden. Und das heißt, sie müssen weiterkommen", erklärte ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber im Gespräch mit der APA. Damit meint er, dass die Sprinter zumindest eine Runde überstehen und die Werfer das Finale anpeilen - das man von Pauer bei ihrem ersten Großevent aber nicht verlangen darf.
In den technischen Bewerben werden nur 30 bis 40 Athleten zugelassen, die Qualifikationsnormen sind dementsprechend streng. "Für Pauer ist Berlin Neuland, die WM ist für sie eine andere Liga als die Wettkämpfe, die sie bisher gemacht hat. Das Finale darf man nicht erwarten, sie kann aus meiner Sicht nur überraschen", sagte Gruber. Beim Super-Grand-Prix in London im Juli schnupperte die 26-Jährige erstmals richtiges internationales Flair und behauptete sich mit Rang vier. Gruber: "Ich glaube, sie ist ein Wettkampftyp."
Den Speer ins Finale werfen
Größer sind die ÖLV-Anforderungen an Mayer, der ebenfalls vom ehemaligen Speerwerfer Gregor Högler trainiert wird. "Es muss das Finale sein, er war in Peking schon knapp dran und er hat sich noch einmal weiterentwickelt. Ich traue Gregor zu, dass er mit seinen Athleten punktgenau die Form angepeilt hat. Aber in der Qualifikation hat man nur drei Würfe, da muss man schauen, dass man den ersten gut erwischt", gibt Gruber zu bedenken.
Zehnkämpfer Schwarzl präsentierte sich bei den Österreichischen Meisterschaften in bestechender Form, seine letzten internationalen Freiluft-Titelkämpfe waren die Weltmeisterschaften 2005 in Helsinki, seitdem kämpfte der Wahl-Salzburger mit einer Verletzungsserie. "Er hat mir unglaublich gut bei den Meisterschaften in Linz gefallen, er war knapp am Titel-Hattrick, wenn er nicht in die letzte Hürde gelaufen wäre, hätte er ihn gemacht und das hätte ich ihm vergönnt." 8.000 Punkte und mehr traut ihm Gruber in Berlin zu. "Er ist ein wettkampfstarker Athlet, der sich pushen und selbst motivieren kann."
Sprint-Highlight mit Bolt
Großes Potenzial sieht der Sportdirektor auch im aus Barbados stammenden Sprinter Moseley. "Das Ziel muss der Zwischenlauf sein, also eine Runde zu überstehen, und dann sehen wir weiter. Wenn er in den Bereich von 10,20 kommt, ist die Semifinalchance da." Die 100 m der Männer am Sonntag versprechen das absolute Highlight der WM zu werden, wenn Weltrekordler Usain Bolt aus Jamaika auf den Jahresweltbesten und Titelverteidiger Tyson Gay aus den USA trifft. Da dürften auch bereits bei den Vorläufen am Samstag die Zuschauerränge gut besucht sein.
Die 12. Weltmeisterschaften könnten mit einem Teilnehmer-"Weltrekord" in die Geschichte eingehen. 2.101 Athleten - 1.154 Männer und 947 Frauen - aus 202 Ländern stehen auf der vorläufigen Meldeliste. Entscheidend für die offizielle Statistik des Weltverbandes ist am Ende die Zahl der tatsächlich gestarteten Sportler. Bisher war die 7. Weltmeisterschaft 1999 in Sevilla mit 1.821 Athleten aus 201 Ländern Rekord-WM. Bereits fest steht: Vor und während der WM wird es insgesamt 1.130 Doping-Kontrollen geben - mehr als je zuvor.
(apa/red)
