Samstag, 15. August 2009

Taliban-Anschlag auf NATO-Hauptquartier: Selbstmordattentat mit acht Toten in Kabul

  • Bombe vor Haupttor des NATO-Geländes gezündet
  • In fünf Tage sind Präsidentenwahlen in Afghanistan

Fünf Tage vor der Präsidentenwahl in Afghanistan haben Aufständische das Hauptquartier der NATO-Schutztruppe in der Hauptstadt Kabul ins Visier genommen. Vor dem Tor des Geländes zündete ein Selbstmordattentäter eine gewaltige Bombe in seinem Auto und riss mindestens sieben afghanische Zivilpersonen mit sich in den Tod. Mehr als 90 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Ein Sprecher der radikal-islamischen Taliban bekannte sich zu dem Anschlag. Nach der Explosion irrten blutüberströmte Menschen in der Nähe des Tatorts umher. Über der Stadt stieg eine dichte Rauchwolke auf. Unter den Verletzten waren den Behörden zufolge auch eine Parlamentsabgeordnete, afghanische und ausländische Soldaten sowie mehrere Kinder. Letztere versammeln sich regelmäßig vor dem Hauptquartier, um Kaugummi und andere Waren an vorbeikommende Ausländer zu verkaufen.

Schutzbarrieren begrenzten offenbar die Schäden an dem NATO-Gebäude, in dem auch der Oberkommandierende der Schutztruppe ISAF, US-General Stanley McChrystal, seinen Sitz hat. Es befindet sich in derselben Straße wie die US-Botschaft und der Präsidentenpalast. Der Angreifer habe nicht wie geplant bis zur US-Botschaft vordringen können, sagte ein Sprecher der Taliban-Rebellen.

Die islamisch-fundamentalistische Taliban-Miliz hat wiederholt damit gedroht, die Präsidentenwahl massiv zu stören. Die Aufständischen haben die Bevölkerung aufgerufen, die Abstimmung zu boykottieren. Es war der erste große Anschlag in Kabul seit Februar. Damals griffen acht Taliban-Kämpfer in einer koordinierten Kommandoaktion drei Regierungsgebäude an. 20 Menschen sowie die Attentäter kamen dabei ums Leben. (apa/red)

15.8.2009 17:36