Der Glühbirne geht kein Lichtlein mehr auf:
NEWS über Lampenstreit und Hamsterkäufe
- Energiesparlampen sollen in EU Glühbirnen ersetzen
- "Besseres" Licht der alten Lichtquelle aber belegbar

·profil: Skepsis vor Energiesparlampen
Österreicher glauben an Interesse der Industrie
Der Chef des kleinen, aber feinen Eisenwarenhändlers Eisen-Dorn im zweiten Wiener Gemeindebezirk gerät leicht in Rage vor allem in letzter Zeit. Und speziell dann, wenn es um Glühlampen geht: "Ein völliger Schwachsinn ist das Glühlampen-Verbot, das uns die EU da eingebrockt hat!"
Tatsache ist: Ab 1. September 2009, also schon in knapp einem Monat, werden keine matten Glühlampen und auch keine normalen Glühlampen mit 100 oder mehr Watt mehr verkauft. Nach und nach wird dann bis 2012 die Ära der mit Wolframfaden versehenen Glühbirne auslaufen.
Verordnetes Stromsparen
Der Grund für den scheinbaren Bürokratenwahnsinn: Energie sparen. Denn die Glühbirne, so die EU, ist ein ökologisches Sündenprodukt. Nur fünf Prozent werden bei der Glühlampe in Licht umgewandelt, der Rest in Wärme. Und das erhöht den ohnehin schon hohen globalen CO2-Ausstoß weiter. Allein in Österreich könnten mit einem kompletten Umstieg auf Energiesparlampen 1,04 Millionen Tonnen Kohlendioxid verhindert werden.
Allerdings: Der "von oben" verordnete Umstieg auf Halogenlicht und Energiesparlampen ist vielen Konsumenten ein Gräuel. Gleich nachdem im Februar dieses Jahres der endgültige EU-Beschluss gefasst war, folgten Hamsterkäufe. Johann Hatzenbichler, Direktor und Chef der Lichttechnik bei Philips, bestätigt: "Der Glühlampen-Verkauf stieg phasenweise um 50 Prozent an." Und nicht nur der Verkauf, auch die Preise stiegen enorm: Eine Zehnerpackung mit Glühbirnen kostete etwa bei Eisen-Dorn in Wien 2 im Mai noch rund 4,80 Euro, jetzt bereits 6,80 Euro.
Geben Glühlampen "besseres" Licht?
Nicht nur Otto Normalverbraucher stieg in den nostalgischen Glühbirnen-Ausverkauf ein. Gernot Pottlacher, Professor am Institut für Experimentalphysik an der TU Graz, hat selbst auf Vorrat eingekauft. "Denn von den Aspekten der Behaglichkeit her ist die Glühlampe unerreichbar", erklärt der Wissenschaftler sein Faible für die Glühbirne.
Diese Erkenntnis ist wissenschaftlich belegt: Antwort darauf gibt die sogenannte Kruithof-Kurve, derzufolge die Behaglichkeit des Menschen von der Farbtemperatur der Lichtquelle abhängt. Und dabei ist das Glühlampenlicht der Sonnenstrahlung, wie man sie kurz nach Sonnenaufgang kennt, am ähnlichsten.
LED-Leuchten
Die Lichttechnik der Zukunft ist aber die LED (Leuchtdiode). Bislang schaffte man es nicht, mit dieser Technik einen echten Glühbirnen-Ersatz zu kreieren. Aber im kommenden Jahr wird die LED-Leuchte zu einem akzeptablen Preis zur Marktreife gebracht; derzeit kostet eine LED-Leuchte 20 Euro. Beim Stromverbrauch ist die LED-Lampe aber unschlagbar günstig.
David Hell
Lesen Sie im NEWS 32/09, welche Kosten mit dem Umstieg auf Energiesparlampen verbunden sind.
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