Freitag, 7. August 2009

Der Strom kommt aus der Wüste: E-MEDIA über das Jahrtausend-Projekt von Desertec

  • Europa soll künftig mit Saharastrom versorgt werden
  • Politisch heikler Standort könnte Projekt gefährden

Faszinierend, würde Mr. Spock sagen. Das ist es wahrlich, was kürzlich der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Dabei ist die Idee denkbar einfach: Sonnenkollektoren in der Wüste aufstellen und den Strom, den diese erzeugen, nach Europa leiten. Desertec heißt das Projekt, das nun in eine dreijährige Planungsphase tritt und danach realisiert werden soll. Vorangetrieben wird Desertec von Unternehmen (vor allem aus Deutschland), aber auch von Wissenschaftlern und NGOs wie Greenpeace Deutschland.

Die Nutzung der Sonnenenergie als die Zukunft für den Blauen Planeten könnte damit erstmals global realisiert werden. Das hat auch wirtschaftliche Gründe: Sonnenkollektoren werden immer billiger, fossile Energieformen immer teurer. Und diese Entwicklung wird auch weitergehen, davon ist der Physiker und Mitbegründer von Desertec, Dr. Gerhard Knies, überzeugt: „Derzeit kostet es 50 bis 60 Dollar, so viel Sonnenhitze zu erzeugen, wie durch die Verbrennung eines Barrels Öl entstehen würde. Diese Technologie kann zu diesem Preis mit Öl konkurrieren. Nun spürt jeder, dass die Preise der fossilen Brennstoffe auch weiter in ungeahnte Höhen steigen werden. Daher ist es um einiges sicherer, auf Solarenergie zu setzen.“

Solare Gefahr
Natürlich birgt das Projekt, so faszinierend es klingt, auch seine Gefahren. Die Kollektoren sollen in Nordafrika und im Nahen Osten aufgestellt werden – erfahrungsgemäß keine politisch besonders ruhige Region. Und so ein Spiegelfeld wird wohl in so manchem wirren Terroristenhirn wahre Visionen vom perfekten Anschlag auslösen. Noch dazu, wenn man damit den Ungläubigen sozusagen „den Hahn abdrehen“ kann. Zweifel äußert auch Jurrien Westerhof von Greenpeace Österreich: „Natürlich stehen wir der vermehrten Nutzung von Solarenergie positiv gegenüber. Aber wir bezweifeln, dass es unbedingt Solarstrom aus Afrika sein muss. Das Projekt kostet immerhin 400 Milliarden Euro. Da sollte man doch besser erst zuhause mit dem verstärkten Ausbau beginnen.“ Egal wo Solarenergie-Projekte umgesetzt werden, eines scheint klar zu sein: Die Welt dürfte sich endlich auf das Motto „Let the sunshine in“ besonnen haben …

(E-MEDIA/Kroll)

7.8.2009 15:59