RFID - Das "Internet der Dinge": So wird
die Funk-Technik unseren Alltag verändern
- Chip macht Produkte intelligent und kommunikativ
- Von smarten Verkaufsregalen bis Zutrittsschranken

Funkende Zutrittskarten für Büro oder Fitnessstudio, berührungslose Autoschlüssel, gechippte Hunde das kennen wir bereits. Intelligente Einkaufswagen und Verkaufsregale davon haben wir gehört. Waschmaschinen, die nur bei günstigem Strompreis waschen, oder Kühlschränke, die Rezepte für ablaufende Lebensmittel vorschlagen und dann per Online-Order selbständig für Nachschub sorgen: Das ist neu, das ist unsere Zukunft.
Die liegt nach Meinung von Experten im sogenannten Internet der Dinge. Dinge das sind in diesem Fall Lebensmittel, Kleidung, Gebäude. Ihnen will man beibringen, intelligent zu werden, sich selbst zu steuern, zu warten und dann auch noch mit anderen Dingen Kontakt aufzunehmen, Informationen auszutauschen, sich zu vernetzen. Als Vermittler fungiert dabei eine Technologie mit Namen RFID. Hinter dem komplizierten Kürzel (die Langform: Radio Frequency Identification) verbirgt sich eine eigentlich recht simple Technik: An Gegenständen aller Art wird ein winziger, mit einer Antenne verbundener Chip angebracht, der Informationen gespeichert hat. Eine Art Produkt-ID, die an Lesegeräte übermittelt und von diesen ausgelesen werden kann. So erhält man ein persönliches Profil einzelner Gegenstände mit allerlei Informationen. Wo das Produkt hergestellt und gelagert wurde. Oder wann es abläuft.
Barcode vs. RFID
Das erinnert an den guten alten Barcode, doch ist RFID diesem weit überlegen. Jakob Nalbant, RFID-Experte bei Unternehmensberater Capgemini: Dank RFID sind Daten über große Distanzen, ganz ohne Berührung und Sichtkontakt durch ein Lesegerät, erfassbar. So können mehrere Artikel gleichzeitig eingelesen werden. Im Supermarkt zum Beispiel: Es wird irgendwann nicht mehr notwendig sein, jeden Artikel an der Kassa einzeln zu scannen. Im Gegenteil: Der gesamte Inhalt eines Einkaufswagens wird im Bruchteil einer Sekunde automatisch erfasst.
Vom Piloten in die Praxis
Wie das funktionieren könnte, wird aktuell im real, Future Store der METRO Group in Nordrhein-Westfalen getestet. Der Markt von morgen hat sich der Erprobung moderner Technologien verschrieben. RFID kommt hier auch in Sachen Qualitätssicherung zum Einsatz: Intelligente Kühltruhen kontrollieren Warenbestände und Ablaufdaten ihrer eingelagerten Artikel. Entnimmt ein Kunde ein Produkt, registrieren installierte Lesegeräte dies automatisch. Und das ist nur ein Beispiel. Konzepte und Technologien, die sich hier bewähren, werden wir sukzessive an weiteren Standorten einsetzen, so Eckhard Cordes von der METRO Group.
Sie sind unter uns
Während in Nordrhein-Westfalen noch getestet wird, sind die vier Buchstaben andernorts bereits erfolgreich im Einsatz. RFID beeinflusst die Warenlogistik großer Betriebe, verkürzt Wartezeiten an Mautstellen oder bei der Gepäckrückgabe am Flughafen und erlaubt die Selbstverbuchung von Medien in Büchereien. Trotzdem: Den Sprung in den Konsumalltag hat die Traum-Technologie noch nicht geschafft. Man fragt sich, warum. Schließlich existiert RFID schon seit Jahrzehnten. Nalbant: Die ersten Vorläufer waren große, schwere Transponder in Kampfflugzeugen im Zweiten Weltkrieg. So betrachtet existiert die Technologie bereits seit über sechzig Jahren. Aber: Erst seit einem Jahrzehnt ist es möglich, Chips und Lesegeräte in einer Größe und Funktionsweise zu produzieren, die den Barcode effizient ersetzen können. Fehlende Standards sind eine weitere Hürde.
Kundengewinnung
Und auch Datenschutz ist ein Problem. Die Kundschaft ist besorgt. Und solange sich das nicht ändert, hat auch die revolutionärste Technologie nur geringe Chancen
(E-MEDIA/Snitily)
Links:
rfid-journal.de
stoprfid.de
future-store.org
