Hitzfeld tippt auf Bayern als Meister: "Man
muss nur diskutieren, wer Zweiter wird"
- Trainerwechsel in Mainz war ein "Schwachsinn"
- Herzog: "Für Ivanschitz eine ganz wichtige Saison"

Ottmar Hitzfeld hat für die beginnende 47. deutsche Bundesliga-Saison den FC Bayern München als klaren Titelfavoriten eingestuft. "Man kann nur darüber diskutieren, wer Zweiter wird", sagte der Schweizer Teamchef mit bayrischer Vergangenheit. Unter ihm wurde der Meistertitel, der DFB-Cup die Champions League und der Weltcup (jeweils 2001) an die Isar geholt.
Der 60-Jährige stuft den Rekordmeister, der die vorige Saison nur als Vize beendete, stärker als vor einem Jahr ein. "Aber man muss abwarten, wie der Abgang von Lucio verkraftet wird. Ob Ribery, der mir besser am Flügel gefällt, wirklich hinter den Spitzen eingesetzt wird. Ob Lahm so stark ist wie links, wo er für mich besser zur Geltung kommt. Und ob die Bayern vier Klassestürmer benötigen. Die Bayern wären gut beraten, einen Angreifer zu verkaufen", sagte Hitzfeld.
Mario Gomez gehöre die Zukunft, Ivica Olic sei in Hamburg ein Leistungsträger gewesen und Miroslav Kloses Qualitäten seien unbestritten. "Probleme könnte es mit Luca Toni geben, wenn er nicht spielt. Er ist ein Weltmeister der Unzufriedenheit", gab der Trainerfuchs zu bedenken. Dem neuen Feldherren der Bayern, Louis van Gaal, attestierte er Erfahrung, Erfolg und taktische Fähigkeiten. "Wie er mit den Medien auskommt, wird sich auch erst weisen. Er gilt als schwierig, autoritär und arrogant", meinte Hitzfeld.
Er zählt seinen Ex-Club zu den besten acht Vereinen in Europa, der in dieser Saison auch die Champions League gewinnen könne. So leicht ihm der Meistertipp fällt, so schwer tut er sich, die Ehrenplätze zu vergeben. Sicher ist für ihn nur, dass Meister VfL Wolfsburg wieder auf dem "Stockerl" stehen wird. "Die Wolfsburger haben Qualität, das Sturmduo Grafite und Dzeko gehalten und dahinter Misimovic", sagte der Sky-Experte. Die dritte Kraft vermochte er nicht vorherzusagen. "Da wird es spannend, das können fünf bis sieben Mannschaften werden". Er hofft, dass es vielleicht sein Ex-Club Borussia Dortmund, mit dem er ebenfalls die Champions League (1997) gewonnen hat, schaffen könnte.
Kein Verständnis für Mainz
Überhaupt kein Verständnis bringt Hitzfeld für die Trainer-Entlassung durch den Aufsteiger FSV Mainz, dem neuen Arbeitgeber des Österreichers Andreas Ivanschitz, nach dem Cup-Aus gegen die Amateure des VfB Lübeck (1:2 n.V) auf. "Dieser Wechsel ist Schwachsinn. Man entlässt nicht über Nacht einen Trainer, da muss schon vorher etwas passiert sein", sagte Hitzfeld zum überraschenden Abschied von Jörn Andersen und der Bestellung des U19-Betreuers Thomas Tuchel.
Ivanschitz, der vor zwei Wochen von Panathinaikos Athen in die Karneval-Stadt am Rhein wechselte, räumt er eine große Chance ein, "wenn er dort seine Leistung bringt und zum Stammspieler wird". Er könnte aufgrund seiner Technik eine Bereicherung der Bundesliga sein. Sebastian Prödl, dem Österreicher in den Reihen des Cupsiegers Werder Bremen, wünschte Hitzfeld einen Stammplatz. "Er ist ein wuchtiger Verteidiger, stark bei Standards, er wird seinen Weg machen."
"Ganz wichtige Saison"
Andreas Herzog, der einst sowohl für Bayern als auch für Werder gekickt hat, die Bayern ebenfalls als großen Titelfavoriten einstuft und sieben oder sogar acht Clubs im Kampf um die Startplatz in der Champions League erwartet, wünscht Ivanschitz, dass dieser in der Meisterschaft mehr Glück hat als im Vorfeld mit dem Trainer. "Denn es wird für Andy eine ganz wichtige Saison", betonte der U21-Teamchef und ÖFB-Rekordspieler, der in Bremen Prödl trotz der Übermacht in der Innenverteidigung (Naldo, Mertesacker) gegenüber Martin Harnik bezüglich Einsätze im Vorteil sieht.
Carsten Jancker, der unter Hitzfeld 2001 mit Bayern die Champions League gewann, traut seinem Mattersburger Ex-Kollegen Christian Fuchs in Bochum nach einer "sehr guten ersten Saison" eine weitere zu. "Er weiß, was er will - einmal für einen großen Verein zu spielen", erzählte der Stürmer. Ihm hat der FC Bayern bisher noch nicht gut gefallen. "Weil mir ein Spielmacher fehlt", begründete Jancker, der noch bis 2010 einen Vertrag mit den Burgenländern besitzt. "Ich würde gerne noch weiterspielen, der Transfermarkt schließt am 31. August. Aber eine Übersiedlung tue ich meiner Familie nicht mehr an", erklärte der Glatzkopf, der auch ein Karriereende nicht ausschließt.
(apa/red)
