Der tiefe Fall des Markus Rogan: Vom Star
& Society-Liebling zum 'geprügelten Hund'
- Römer Disco-Affäre Tiefpunkt monatelangen Abstiegs
- Streben nach Rampenlicht prägte Schwimm-Karriere

·Rogan: "Ich habe niemanden attackiert"
"Von vier Männern aufs Brutalste geschlagen"
·Leitgeb: "Markus ist in der Opfer-Rolle"
Traumen deuten auf Schläge & nicht Sturz hin
·Redeverbot für
Rogan in Disco-Affäre
Disco-Betreiber weisen Prügel-Vorwürfe zurück
·Begleiter klären Vorgeschichte auf
OSV-Teamkollegen ver-
brachten Tag mit Rogan
·Rogan: "Mir tut so ziemlich alles weh"
Soll in Rom in Disco verprügelt worden sein
·Mirna Jukic hui, der Rest leider eher pfui
Zwiespältige OSV-Bilanz bei Schwimm-WM in Rom
Markus Rogan braucht das Rampenlicht. Über Jahre hinweg hatte sich der Wiener die Aufmerksamkeit erschwommen und stieg zu einem von Österreichs erfolgreichsten Sportstars auf. Begleitgeschichten und Storys abseits des Schwimm-Beckens waren anfangs eher Nebenerscheinung, mittlerweile sind sie Vordergrund. Bei der WM in Rom blieb Rogan sportlich auf der Strecke, aus den Schlagzeilen fiel er aber nicht. Dafür sorgt die Disco-Affäre.
Sie bildet den traurigen Tiefpunkt eines kontinuierlichen Abstiegs eines der größten österreichischen Sportstars der Geschichte. Dass sich der 27-Jährige in Rom in einem Krankenhaus liegend mit den Folgen eines (laut eigenen Angaben) Angriffs von vier Türstehern in einer Diskothek abgeben muss bzw. dies in Zweifel gezogen wird, ist beschämend.
Rogan, neben Hermann Maier das einstige Aushängeschild des heimischen Sports, hat eine unsanfte Bruchlandung hingelegt. Der Wiener galt anfangs als neuer Sympathieträger, andere aber hielten ihn für arrogant. Doch der Erfolg gab ihm Recht.
Irgendwann hielten die Erfolge im Schwimm-Becken mit jenen auf Society-Events nicht mehr mit. Der Star der Bussi-Bussi-Gesellschaft schuf sich Neider und Feinde, die das Treiben auf dem Hochglanz-Parkett argwöhnisch beäugten. Was auch immer in jener Nacht bei Rom passiert sein mag, Rogan ist derzeit nicht nur Mitleid sicher. Schadenfreude ist ein menschlicher Charakterzug und er trifft Rogan wie einen geprügelten Hund.
Sportlicher Aufstieg
Das hatte Rogan vor neun Jahren sicher nicht im Sinn, als er damals nur den sportlichen Aufstieg plante. Nach Platz 27 im Olympia-Vorlauf über 200 m Rücken im Jahr 2000 in Sydney hatte er sich aufgeschwungen, die Schwimmwelt zu erobern. An der Stanford-Universität steigerte er seine sportliche Leistungsfähigkeit und Einstellung zum Schwimmen derart, dass er sich Ende Juli 2001 als Silbermedaillen-Gewinner der Langbahn-WM in Fukuoka auf dem Siegespodest wiederfand. Von da an ließ Rogan nicht mehr locker, es folgten etliche EM-Medaillen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften.
Das in Weltrekordzeit errungene Kurzbahn-WM-Gold in Manchester 2008 war der eigentliche Höhepunkt seiner Laufbahn. Es wog für ihn schwerer als die zwei zweiten Plätze bei Olympia, denn endlich war er der Beste und stand ganz zentral im Rampenlicht. "Ja. Weltmeister, davor ein paar Mal Zweiter", schrieb Rogan in den vom Österreichischen Verband vor der Rom-WM abgefragten Word-Rap auf die Frage nach seinen Erfolgen.
Nur dieser Titel zählte also wirklich für ihn, bei Olympia 2008 wollte er das freilich noch einmal auskosten. In Wahrheit hatte Rogan aber nicht mehr den Biss wie vor dem Manchester-Coup. Wenn er auch als Vierter eine ausgezeichnete Leistung geboten hatte, ihm war es zu wenig. Es wäre wahrscheinlich der beste Moment für sein Karriere-Ende gewesen, doch Rogan wollte noch einmal zurück an die Spitze der Ergebnislisten und der medialen Aufmerksamkeit.
Ausbildung zum Banker
Seither lief es ihm aber nicht wie gewünscht. Privat ging die Beziehung mit Christine Reiler auseinander, nicht seine erste Ex-Miss. Beruflich stieg er bei Sponsor Raiffeisen mit der Ausbildung zum Private Banker ein, das mit dem sportlichen Erfolg nebenbei klappte aber nicht wie gewünscht.
Was am Abend nach seinem letzten Rom-Einsatz in der Diskothek bei Ostia vorfiel, ist noch nicht geklärt. Vorerst gilt die Unschuldsvermutung, Rogans Angaben sind bis zum Beweis einer etwaigen anderen Sachlage zu glauben. Klar scheint jedoch, dass Rogan wohl nie mehr in dem Ausmaß als Schwimmer hervortreten wird, wie er es jahrelang getan hat.
(red)
