Bill Clinton fühlt Kim Jong Il auf den Zahn:
Überraschendes Treffen auf Spitzenebene
- Nordkoreas Staatschef lud zu gemeinsamem Essen
- Blumenkinder empfingen Ex-Präsidenten Amerikas

·Stichwort: Atomtests und Kettenreaktion
15 kg Uran reichen zur Zerstörung einer Stadt
·Atomwaffen in mindestens 8 Staaten
Indien, Pakistan & Israel als De-facto-Atommächte
Überraschender Kontakt zwischen Nordkorea und den USA auf Spitzenebene: Der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton ist bei einem völlig unerwarteten Besuch in Pjöngjang mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il zusammengetroffen. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf die staatlichen Medien des kommunistischen Nachbarlandes, Clinton habe eine mündliche Botschaft von US-Präsident Barack Obama überbracht. Das Weiße Haus dementierte dies umgehend. Es habe keine Botschaft Obamas gegeben.
Yonhap meldete weiter, während eines Abendessens im Gästehaus der nordkoreanischen Führung hätten beide einen "breiten Fächer von Themen" angesprochen. Stunden zuvor war Clinton in Pjöngjang eingetroffen - wie es hieß, um die Freilassung zweier inhaftierter amerikanischer Journalistinnen zu erreichen. Der 62-Jährige, Ehemann von US-Außenministerin Hillary Clinton, wurde bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von hohen nordkoreanischen Regierungsvertretern begrüßt. Auch das nordkoreanische Staatsfernsehen berichtete über die Ankunft.
Die Regierung in Washington sprach von einer "ausschließlich privaten" Reise zur Freilassung der seit fünf Monaten festgehaltenen Frauen. Es wurden keinerlei Einzelheiten - beispielsweise zur Dauer des Besuchs - mitgeteilt. "Wir wollen den Erfolg der Mission des früheren Präsidenten Clinton nicht gefährden", teilte das Weiße Haus mit.
US-Medien berichteten, die Regierung versuche die Bemühungen um die Freilassung der Reporterinnen und den Streit um das nordkoreanische Atomprogramm strikt zu trennen. Dagegen ist nach südkoreanischen Informationen mit dem Besuch auch die Hoffnung verknüpft, neue Bewegung in den festgefahrenen Konflikt zu bringen und die Sechs-Parteien-Gespräche wieder zu beleben.
Clinton von Blumenkindern empfangen
Clinton wurde auf dem Flughafen unter anderem von Vize-Außenminister Kim Kye-Gwan begrüßt, dem nordkoreanischen Verhandlungsführer bei den Atomgesprächen, berichtete das Staatsfernsehen des kommunistischen Landes. "Unsere Kinder empfingen Herrn Clinton mit Blumen", hieß es im nordkoreanischen TV. Ein Sprecher der regierenden Arbeiterpartei sprach von einem "humanitären Ereignis" zur Freilassung der beiden Amerikanerinnen.
Bereits im April hatte Nordkorea seinen unwiderruflichen Rückzug von den seit 2003 laufenden Gesprächen über den Abbau seines Atomwaffenprogramms erklärt. Das kommunistische Land reagierte damit auf die Verurteilung des Starts einer nordkoreanischen Langstreckenrakete durch den Weltsicherheitsrat. An den Gesprächen waren außer Nordkorea und den USA auch China, Südkorea, Japan und Russland beteiligt.
Carter traf Kim Il Sung
Ähnlich wie Clinton hatte bereits 1994 Ex-Präsident Jimmy Carter nach Ende seiner Amtszeit Nordkorea besucht. Er hatte den damaligen Machthaber und Staatsgründer Kim Il Sung - Vater des heutigen Diktators Kim Jong Il - getroffen. Das Treffen hatte Nordkorea damals an den Verhandlungstisch zurückgeführt. Der letzte hochrangige Gast aus Washington, der mit Kim Jong Il zusammentraf, war im Jahr 2000 die damalige Außenministerin Madeleine Albright. 2001 begann mit dem Amtsantritt von George W. Bush im Weißen Haus die bis jetzt andauernde Eiszeit.
Nordkorea, dessen Bevölkerung unter bitterer Armut leidet, ist seit Jahren international isoliert. Den jüngsten Atomtest im Mai hatten im Weltsicherheitsrat auch China und Russland, die zuvor die Verbindung nach Pjöngjang gehalten hatten, scharf verurteilt.
Treffen mit inhaftierten US-Journalistinnen
Clinton hat auch mit den beiden inhaftierten US-Journalistinnen sprechen können. Das Treffen sei "sehr emotional" verlaufen, berichtete der Sender unter Berufung auf ein Mitglied der Delegation Clintons.
(apa/red)
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