Freitag, 7. August 2009

"Natürlich ist Simon Polt ein Dinosaurier": Autor Komarek über seinen Kult-Gendarm

  • NEWS im Talk mit dem Meister der Milieuschilderung
  • Wieder auferstanden: "Polt." erscheint am 17. August

Es war nur eine Frage der Zeit. Vor sechs Jahren beförderte Alfred Komarek seinen Kult-Gendarmen Simon Polt nach nur vier Fällen in den vorzeitigen Ruhestand. Zwischenzeitlich entstanden vier nicht minder suggestive, in Aussee beheimatete Romane um den Journalisten Daniel Käfer. Doch wie man erlesenen Wein zu besonderen Anlässen aus dem Keller holt, darf auch Polt noch einmal in die Abgründe der nicht immer weinseligen Weinviertler Seelen hinabtauchen. Was er zur Aufklärung bringt, ist allerdings alles andere als erfreulich.

Am 17. August erscheint „Polt.“ (Haymon, 17,90 Euro), Polts fünfter und letzter Fall – sieht man von einem möglichen Band mit Kurzgeschichten ab. Polt hat seinen Dienst als Gendarm quittiert – die dürfen sich neuerdings „Polizisten“ rufen – und arbeitet nunmehr als Kaufhaus-Gehilfe, Mitbetreiber des nur noch zum Wochenende geöffneten Wirtshauses und Führer durch die Kellergassen. Die fallen der modernen Technologie und Bequemlichkeit ihrer Betreiber zum Opfer, die ihren Wein lieber im Stahltank als in Holzfässern zur Reife bringen.

Im Weingarten seines Exkollegen Norbert Sailer wird die Leiche eines selbst im Tod noch unerhört schönen Mannes gefunden. Manches deutet auf Selbstmord hin. Doch da ist Sailers feindseliger Nachbar, der seinen Wein unerlaubt streckt. Hat er die Leiche dorthin platziert? Polt-Nachfolger Bastian Priml, scheinbar ein Ordnungshüter der neuen Ära, wird von den Dorfbewohnern bei den Ermittlungen mehr behindert als unterstützt.

Auch sonst ist vieles im Leben des Simon Polt im Umbruch begriffen. Der Gendarm i. R. wird erstmals Vater. Langzeitliebe Karin Walter, die seine Leibesfrucht austrägt, verliert ihren Job als Lehrerin und überlegt den gemeinsamen Umzug ins Waldviertel. „Polt.“ ist ein vortrefflicher Wurf des gebürtigen Ausseers Komarek: packend, authentisch und von atmosphärischer Dichte. Eine nochmalige Prolongierung des Erfolgs ist nicht geplant. Komarek, er besitzt ein Presshaus im Weinviertel: „Ja, es ist der letzte Roman um Inspektor Polt, die Kreise schließen sich ja. Aber er MUSS nicht gehen. Er hat zu einem Leben gefunden, in dem er ohne mich zurechtkommt. Nicht ausschließen möchte ich aber einen Band mit Kurzgeschichten. Es gibt ja durchaus noch Themen, die reizvoll sind, aber keinen Roman tragen. Für Polts Kellergassen gibt es Hoffnung, wenn es gelingt, sie mit glaubwürdigen Inhalten neu zu beleben: der Keller als Schatzkammer für Raritäten, Keller und Presshaus zwar nicht mehr als Arbeitsräume, aber als Orte zum Verkosten, zum Leben mit dem Wein. Und für jene Bauern, die in der Kellergasse bleiben, wird sich eine individuelle, nostalgische Nische auftun, in der es sich ganz gut leben lässt.“

"Natürlich ist Polt ein Dinosaurier"
Wie kann Polt – Vertreter einer fast ausgestorbenen Spezies Ermittler – die neue Zeit, die vor dem Weinviertel nicht stehen bleibt, überdauern? Komarek: „Natürlich ist Polt ein Dinosaurier, das weiß er auch. Aber für sein Leben werden die verbliebenen Elemente des alten Lebens im Dorf und in der Kellergasse schon reichen. Vom Dasein eines Ordnungshüters hat er genug, aber ich könnte mir vorstellen, dass Bastian Priml (der mir nach und nach ans Herz gewachsen ist) zuweilen seine private Hilfe braucht. Sehnsucht nach Echtheit, Authentizität, nach leisen Tönen: na klar. Surrogate sorgen bald einmal für Übelkeit, schrille Töne und Farben für Kopfweh. Da tut Polt gut. (Übrigens gibt es auch erstaunlich junge und sehr junge Leser).“

Dagmar Kaindl

Über Polts weitere Zukunft lesen Sie in NEWS 32/09!

7.8.2009 13:18

Kino

Men in Black 3

Komödie, Science Fiction - USA, 2012

Regie: Barry Sonnenfeld

Mit: Will Smith, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Alice Eve, Emma Thompson

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