Samstag, 8. August 2009

Widerspruch nach tödlichen Schüssen in
Krems: Jetzt steht Aussage gegen Aussage

  • Polizisten sprachen bei Einvernahme von Angriff
    16-jähriger Komplize bestreitet Attacke auf Beamte
  • Rumäne dementiert Beteiligung an Merkur-Einbruch

Offene Fragen und ein geringer Informationsfluss: Das ist der Stand der Dinge im Zusammenhang mit den Ermittlungen nach den Schüssen in einem Merkur-Markt in Krems. Bei dem Zwischenfall wurde ein mutmaßlicher 14-jähriger Einbrecher getötet und ein 16-Jähriger in beide Oberschenkel getroffen wurde. Jetzt steht Aussage gegen Aussage: Während die beiden Beamten bei ihrer ersten Einvernahme angaben von den Jugendlichen "angegriffen worden" zu sein, bestritt der 16-jährige Komplize die Attacke.

Die Polizei befragte auch jenen 28-jährigen Rumänen, der als weiterer Mittäter bei dem Einbruch gilt. Der Mann wurde in Gföhl in seinem Wohnbezirk Krems festgenommen. Er habe in der Folge nach einem Dolmetscher und einem Rechtsanwalt verlangt. Eine Beteiligung an dem Einbruch in den Merkur-Markt bestreitet der Verdächtige laut Polizei.

Polizisten: Wir wurden angegriffen
Die Kremser Beamten, die nach Auslösung des stillen Alarms in den Merkur-Markt gerufen worden waren und drei Schüsse abgegeben hatten, wurden erstmals befragt. Die Einvernahme dauerte - mit Unterbrechungen - von 19.45 bis 23.30 Uhr, hieß es in Polizeikreisen. Laut ihrem Wiener Rechtsanwalt gaben die Frau und der Mann zu Protokoll, dass sie angegriffen worden seien und deshalb geschossen hätten, so die ORF-"ZiB 2". Dass die Beamtin einmal und ihr Kollege zweimal gefeuert hatte, "könnte stimmen", hieß es.

Auf der Flucht erschossen?
Aufgrund der bisher bekanntgewordenen Angaben der Kremser Polizisten steht nun Aussage gegen Aussage. Der bereits zuvor im Landesklinikum Krems einvernommene 16-Jährige hatte nämlich erklärt, dass die Schüsse gefallen seien, als er und Florian P. (14) flüchten hätten wollen. Die Jugendlichen hatten bei dem Einbruch einen Schraubenzieher und eine Gartenharke bei sich. Sie seien demnach "im technischen Sinn" bewaffnet gewesen, nicht jedoch nach dem Waffengesetz.

Bestätigt wurde, dass in einen Fall von Körperverletzung vor dem Merkur-Markt der Bruder des 14-Jährigen involviert gewesen ist. Er soll einen Fotografen niedergeschlagen haben, der ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Der Beschuldigte ist vorerst noch nicht einvernommen worden.

(apa/red)

8.8.2009 20:46