"Sie haben mir mein Kind genommen":
Mutter des getöteten Florian klagt Polizei an
- "Von schießwütigen Polizisten niedergemetzelt"
- Mutter empört: Keine Kommunikation von Behörden
14-Jähriger in Kremser Supermarkt erschossen

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Bei Polizisten zählt in der Praxis vor allem Gespür
"Sie haben mir einfach mein Kind genommen, so wehrlos." Die Mutter des 14-Jährigen, der bei einem Einbruch in der Nacht auf Mittwoch in einem Supermarkt in Krems erschossen wurde, erhob in der ORF-Sendung "Heute in Österreich" erneut schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Sie sei von der Exekutive zwei Tage lang kaum informiert worden. "Sie haben uns nichts gesagt, gar nichts, nur dass er durch einen Schuss getötet worden ist."
Auch die Information, dass ihr Sohn in den Rücken getroffen wurde, habe die Frau erst dann erfahren, als die Öffentlichkeit durch die Staatsanwaltschaft informiert worden war. Beamte vom Landespolizeikommando OÖ, die die Ermittlungen zum Schusswaffengebrauch führen, haben sich am Freitag mit den Eltern zusammengesetzt und sie über den Stand der Ermittlungen informiert, sagte Oberstleutnant Roland Scherscher vom Landespolizeikommando NÖ in der Sendung. "Jeder hat ihn geliebt. Er war immer freundlich, er war lieb", so die verzweifelte Mutter.
"Von hinten niedergemetzelt"
"Er war mein kleiner Bruder, der von schießwütigen Polizisten von hinten niedergemetzelt, einfach abgeknallt wurde." Im Interview mit der Tageszeitung "Österreich" erhob der Bruder des von der Polizei erschossenen 14-jährigen Florian P. schwere Vorwürfe. Gleichzeitig räumte der 19-Jährige ein, dass im Kremser Stadtteil Lerchenfeld "viele kriminell" sind. Aufregung gab es auch um offenbar mangelhafte Kommunikation: "Mein Kind ist tot und sie geben mir keine Auskunft", klagte die Mutter des Getöteten im Ö3-Interview.
Florian habe "ein paar Mal gefladert", so der 19-jährige Bruder. "Im Mediamarkt was mitgehen lassen, aber nix Großes gemacht - ein Mitläufer." Er habe oft auf seinen kleinen Bruder eingeredet, aber dieser "wollte wohl den Adrenalin-Kick". Mittwoch früh konnte er sich von Florian verabschieden: "Er hatte noch die Augen offen, und überall aus seinem Körper sind Schläuche gehängt. Den Anblick werde ich nie vergessen, mein Leben lang nicht. Ich kann nicht schlafen, nichts essen und trinken. Es ist alles so unwirklich."
Schuldgefühle
Schuldgefühle äußerte der 19-Jährige im Gespräch mit dem "Kurier": "Ich war auch kein Guter. Ich hab eingebrochen, gestohlen, gerauft. Früher war das ein Kick, Adrenalin. Aber man wird älter. Ich hoffe, dass ich kein Vorbild für Florian war. Ich fühle mich, als wäre ich zu wenig dagewesen. Jetzt ist er weg. Ich würde sofort alles anders machen."
Während der Vater von Florian P. "einfach nur wissen will, was dort drinnen mitten in der Nacht passiert ist", ärgerte sich die Mutter darüber, dass sie von den Ermittlern nichts erfahren habe: "Wir haben nur gehört, dass unser Kind tot ist. Aber sie (die Kriminalisten, Anm.) lassen nicht mit sich reden, sie geben keine Auskunft."
"Er ist angestiftet worden"
Mario ist nach eigenen Angaben 21 Jahre alt, sieht aber deutlich jünger aus. Wie etwa 100 andere vorwiegend junge Menschen hat auch er vor dem Kremser Merkur-Markt an einer Trauerkundgebung für Florian P. teilgenommen. Im Gespräch mit der APA äußerte er die Vermutung, dass der 14-Jährige in den für ihn letztlich tödlichen Einbruch "hineingezogen" worden ist.
In einer Clique von etwa 15 bis 20 Personen sei Florian für ihn "wie ein kleiner Bruder" gewesen, so Mario. Natürlich habe der 14-Jährige "ab und zu Blödsinn gemacht". Eine Aktion wie ein Einbruch in den Supermarkt sei ihm jedoch nicht zuzutrauen gewesen. "Meine Vermutung: Er ist angestiftet worden." Marios Freundin assistiert: "Auf die Idee kommt kein 14-Jähriger."
Florian sei ein "ruhiger Typ" gewesen, ein "guter Mensch" und "hilfsbereit", charakterisierte der 21-Jährige den tödlich getroffenen Jugendlichen. Der Einbruch in den Merkur-Markt am Mittwoch in den frühen Morgenstunden sei "unnötig" gewesen. "Das hätten sie (Florian und der noch 16-jährige R.) wirklich nicht machen müssen."
(apa/red)
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