Mord verjährt nicht: Ermittler der Polizei kümmern sich auch um die "alten" Fälle
- Zahl der Delikte seit einigen Jahren relativ konstant
- Aufklärungsquote liegt bei mehr als 90 Prozent

·Österreicher fürchten
steigende Kriminalität
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Mord verjährt nicht: Nicht zuletzt deshalb lassen die heimischen Ermittler auch bei "alten" Fällen nicht locker, bis diese geklärt sind. "Auch wenn er vor 40 Jahren begangen wurde", wie Oberst Michael Mimra, stellvertretender Leiter des Wiener Landeskriminalamts, betont. In den meisten Fällen zeitigt der Ehrgeiz Erfolg. Die Aufklärungsquoten liegen in Österreich konstant über 90 Prozent.
Auch die Zahl der Morde sei seit vielen Jahren relativ konstant, sagte Innenministerin Maria Fekter. Sie liegt bei rund 140 bis 150 Fälle pro Jahr. 2007 und 2008 wurden 113 bzw. 101 derartige Delikte angezeigt, 2002 und 2004 waren es 168 bzw. 170 Fälle. Heuer sei gegenüber 2008 wieder ein Anstieg zu verzeichnen, gewissermaßen eine "Normalisierung" auf das langjährige Niveau. Ebenfalls konstant bleibt in etwa das Verhältnis österreichischer und ausländischer Täter mit zwei zu einem Drittel.
Etwa 75 Prozent der Fälle sind sogenannte Beziehungstaten. Das bedeutet, dass Täter und Opfer einander gekannt haben. Abgesehen davon, dass "nach landläufiger Auffassung diese Morde nicht so schwer" zu klären seien, wie Mimra sagte, ist in diesen Fällen auch Präventionsarbeit zielführend. Laut Katharina Beclin vom Institut für Strafrecht und Kriminologie gibt es auch entsprechende Instrumentarien wie etwa das Wegweiserecht, wobei sich allerdings gerade gefährliche Täter von einer einstweiligen Verfügung oft nicht abschrecken ließen. Ein Antrag auf Untersuchungshaft seitens der Exekutive werde von der Justiz aber oft zurückgewiesen.
Drohungen ernst nehmen
Wichtig sei es, Drohungen ernst zu nehmen und lieber einmal zu früh als einmal zu spät zu handeln, selbstverständlich auf Basis geltenden Rechts, meinte die Kriminologin. Es gebe zudem typische Situationen, in denen Beziehungstaten verstärkt auftreten, etwa bei bevorstehenden Trennungen oder im Zuge von Scheidungsverhandlungen.
Beclin plädierte außerdem für eine bedingte Entlassung verurteilter Mörder unter Auflagen, indem sie sich verpflichten, beispielsweise ein Anti-Aggressionstraining oder andere Betreuungen wahrzunehmen.
Bei den Mordermittlungen ist laut Mimra der Zeitfaktor ein entscheidender: "Was man in den ersten 48 Stunden nicht ermitteln kann, erschwert die Sache." Für die schwierigeren Fälle ist mittlerweile ein ziemlich enges Netz an Mitteln gespannt. Dieses ermöglicht immer wieder auch, dass schon länger ungeklärte Morde "aufgehen".
An erster Stelle ist die DNA-Datenbank zu nennen. Fekter: "Österreich hat die fünftgrößte weltweit und die drittgrößte in Europa, obwohl wir ein relativ kleines Land sind." Derzeit befinden sich rund 12.000 Täter- und 10.000 Tatortspuren in der Datenbank. Zu den spektakulärsten Treffern zählten jene, die in Wien zur Klärung der Favoritner Mädchenmorde nach mehr als zehn Jahren führten.
(apa/red)
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