Montag, 3. August 2009

Adamovich sorgt für Welle der Entrüstung: Nach strittigen Aussagen über Kampusch

  • "Gefangenschaft besser als was sie davor erlebte"
  • Scharfe Kritik vom Anwalt des Opfers Ganzger
    Innenministerium dennoch mit seiner Arbeit zufrieden

Ludwig Adamovich, Leiter der vom Innenministerium eingesetzten Evaluierungskommission in Sachen Natascha Kampusch, hat für erhebliche Irritationen im Umfeld des Entführungsopfers ausgelöst. So hatte er unter anderem erklärt, die Zeit ihrer Gefangenschaft wäre für Kampusch womöglich "allemal besser" gewesen "als das, was sie davor erlebt hat".

Während Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger Adamovichs "entbehrliche Spekulationen" scharf kritisierte und die Oberstaatsanwaltschaft persönliche Gespräche mit dem Ex-Verfassungsgerichtshofpräsidenten ankündigte, zeigte sich das Innenministerium mit der Vorgangsweise und Leistung der Kommission durchaus einverstanden. "Es ist ja so, dass anhand des Falls Kampusch die Ermittlungsfortschritte beobachtet werden", sagte Martin Brandstötter, Sprecher von Innenministerin Maria Fekter. Diese Aufgabe sei nicht zu weit oder zu eng gefasst "und somit sind wir mit der Arbeit der Kommission zufrieden". "In dem Schreiben an die Innenministerin schlägt die Kommission einen weiteren Zwischenbericht vor, den wir jetzt einmal abwarten", so der Sprecher.

Kritik von Kampusch-Anwalt
Nicht so gelassen sieht die Causa Kampuschs Anwalt. "Wogegen wir uns wehren, sind einerseits die öffentliche Abhandlung des Konflikts zwischen den Behörden und vor allem auch die Spekulationen des Vorsitzenden über Sachen, die mit den Ermittlungen überhaupt nichts mehr zu tun haben", kritisierte Ganzger Adamovichs Interviews. Rechtliche Schritte plant Ganzger nicht: "Klagen lösen das Problem nicht", betonte er.

Der Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien, Werner Pleischl, kündigte an, sich umgehend mit Adamovich treffen zu wollen. Adamovich solle ihm persönlich seine Bedenken zu den bisherigen Ermittlungen um die Kampusch-Entführung darlegen, so Pleischl.

(apa/red)

3.8.2009 14:54
maultier, 03. 08. '09 20:22
Na klar
Herr Adamovich war eine mächtige Persönlichkeit.Dann Pensionist ,nun ist er ein begnadeter Selbstdarsteller.
Wilfried1931, 03. 08. '09 18:05
Eigenartige Sache
Ich denke schon das die Sache Kampusch im Grunde uninteressant ist und im Grunde eine weitere Aufklärung nur gut für Klaschblätter ist. Aber trotzdem ist eine lückenlose Verbrechensaufklärung sehr wichtig und außerdem wurden und müssen finanzielle Folgen auch von der Allgemeinheit finanziert werden. Daher ist es auch die Pflicht des Opfers wie Kampusch mit der Justiz zusammen zu arbeiten, auch wenn es dabei eventuelle peinliche Aufklärungen gibt. Wenn es Unregelmäßigkeiten gibt gehören dieses auch so lange ermittelt bis es Klärung gibt, auch die Bevölkerung hat das Recht, dass eventuelle noch freie Mittäter in Haft kommen
squier, 03. 08. '09 15:12
Na klar,
passt doch in das typische Muster in diesem, unseren provinziellen, kleinkarierten Land: Man fürchtet sich vor der Wahrheit. Überall einen Haufen offener Fragen: Kampusch, Amstetten, Zilk, diverse Wirtschaftsskandale, Österreichs Rolle während der Nazi-Herrschaft (Opfer oder Täter?) usw. Am liebsten alles unter den Teppich kehren und ja nicht mehr drüber reden, geschweige denn recherchieren. Es könnte ja sonst noch etwas auftauchen, dass unsere Perfidie neuerlich sichtbar wird ...
sidestep, 03. 08. '09 15:56
Re: Na klar,
Da vergleicht wieder einmal jemand Äpfel mit Birnen. Wenn bringt die sogenannte Aufklärung im Kampuschfall noch etwas? Die Kampusch - als Opfer - will nichts mehr davon wissen und der Täter hat sich dort hin verräumt, wo ihn keiner mehr nachweint - nämlich in die Hölle. Warum also weiter herumstochern. Bringt das irgend wenn etwas? Die Sache Zilk gehört natürlich - auch wenn er auch schon dort ist wo man hingehört wenn man tot ist - nach wie vor anständig aufgeklärt. Amstetten? Was soll da noch fehlen wenn der Täter ein volles Geständnis abgelegt hat und die in Österreich höchstmögliche Strafe erhalten hat? Was Herr/Frau squier interessiert Sie dann noch an der Kampusch? Sind Sie vielleicht ein Voyeur der sich an Details erfreut und wenn Sie sie erfahren würden, was hätten Sie dann davon?
vidaamable, 03. 08. '09 16:26
Re: Na klar,
die replik von sidestep ist mehr als untergriffig (um nichts anderes sagen zu müssen). natürlich kann man die fälle vergleichen; warum wurde echt bei den ersten ermittlungen nicht alles offengelegt? u. die vorwürfe bez. einiger gruppen der exekutive wurden nie wirklich beantwortet. also, lieber sidestep - erst denken, dann schreiben............
squier, 03. 08. '09 16:38
Re: Na klar,
Nun, Sidestep, wenn Sie mich schon so höflich fragen und mir Voyeurismus unterstellen, will ich Ihrem Kleingeist ein wenig auf die Sprünge helfen:

Amstetten: Ein Mann kann keine 300 Kg schwere Tür alleine einbauen. Wie ist es möglich, dass 24 Jahre lang niemand etwas bemerkt. Der Prozess wurde in nur 4 Tagen durchgepeitscht, obwohl noch viele Fragen offen waren.

Kampusch: Es ist völlig klar, dass die Kriminalisten damals geschlampt haben. Diese "Arbeit" muss aufgeklärt werden, damit so etwas nicht mehr passiert und ev. vor Wahlen Einfluss seitens der Politik genommen wird usw. Einem Opfer ist dann geholfen, wenn alles aufgeklärt wurde.

Aber Menschen wie ich kümmern uns schon darum, dass Menschen wie Ihnen geholfen wird. Was wäre, würden Sie Opfer eines Verbrechens sein? Aufklärung?
sidestep, 03. 08. '09 17:01
Re: Na klar,
Vielen Dank, dass Sie auf mich aufpassen! Da kann ich ja beruhigt Opfer eine Tat werden wenn ich weiß, dass Sie über mich wachen. Nur damit Sie es auch verstehen: Wenn das Opfer, nämlich Frau Kampusch ein Interesse hätte dass Licht in die Sache kommt, dann würde ich den weiteren Erhebungen zustimmen. Aber Frau Kampusch will, dass die Sache auf sich beruht. Das ist Grund genug für mich zu sagen, Schwamm darüber. Nur Frau Kampusch hat das Recht zu sagen, ob in diesen Falle "weitergebohrt" wird oder nicht. Sie hat das Recht zu sagen, dass die Schlampereien der Polizei aufgeklärt werden sollen oder nicht. Nocht etwas: Sie sollten nicht alles glauben, was in der Zeitung steht oder waren Sie selbst am Tatort und haben die 300 Kilotüre abgewogen? Etwas mehr kritisches Nachdenken wäre angebracht!
meinungsfreiheit, 03. 08. '09 17:05
Re: Na klar,
für mich ist und war Kampusch nicht glaubwürdig und es gibt gottseidank viele Menschen die so denken und die Sache immer wieder hinterfragen.
Mit seinem Peiniger einkaufen und schifahren gehen, im Garten herumspazieren und sich angeblich nie befreien können ist doch sehr unglaubwürdig.
Wer weiß, ob Kampusch tatsächlich im Keller gelebt hat!
Obendrein ist es krank, in das Haus wieder zurückzukehren, wo sie 8 Jahre gepeinigt wurde!
Diese Geschichte stinkt von vorne bis hinten.
squier, 03. 08. '09 17:11
Re: Na klar,
Bitte, gern geschehen!

Ach so, Frau Kampusch entscheidet also über die Qualität der Polizeiarbeit. Das wusste ich nicht. Na, da werden sich ja künftige Opfer (und Täter - jeweils aus unterschiedlichen Motiven) bedanken, wenn Vieles im Unklaren bleibt und es selbstverständlich ist, dass in diesem Land nicht vollständig aufgeklärt wird.

Es ist doch so, dass die Geschichten sowieso immer wieder hoch kommen, wenn nicht alles restlos ans Tageslicht befördert wird.

Aber wer eben Leichen im Keller hat und sich vor der Wahrheit fürchtet, der schiebt eben alles von sich, inkl. der Wahrheit. Aber Sie sehen eh, dass hier nach wie vor den Ungereimtheiten auf den Grund gegangen wird. Also noch mal: Keine Angst, es gibt schon noch vernünftige Menschen, die sich um wichtige Dinge kümmern.
sidestep, 03. 08. '09 19:47
Re: Na klar,
Man könnte auch sagen, dass es Menschen gibt, die sich wichtiger nehmen als sie sind weil sie Ihre Nase in alles stecken und meinen, wenn einer eine andere Meinung hat, dann sei er dumm geistig unterbelichtet und man müsse auf ihn aufpassen. Danke das kann ich ganz alleine!