Montag, 3. August 2009

Aufstand der Parteibasis: Mindestsicherung
entzweit Koalitionsparteien & ihre Mitglieder

  • Regierung will den ausverhandelten Kurs beibehalten
  • Innerparteilicher Konflikt auch in ÖVP voll entbrannt

Hat da wer die Rechnung ohne den Wirten gemacht? Auch wenn die Regierung nicht neu über die Mindestsicherung verhandeln möchte - die Parteibasis von SPÖ und ÖVP ist vom Gesetzesvorhaben noch längst nicht überzeugt. Nachdem Sozialminister Rudolf Hundstorfer sich zum wiederholten Male zu dem Regierungsbeschluss bekannte, folgten neuerliche Unmutsbezeugungen aus den eigenen Reihen: Der oberösterreichische Soziallandesrat Josef Ackerl richtete der Regierung, seiner Partei und dem Sozialminister aus, er sei "sehr unglücklich".

Hundstorfer verwies auf weiterführende "technische Gespräche" in Sachen Mindestsicherung, die "werden stattfinden und aus": "Ich bin nicht jener Minister, der vorige Woche etwas beschließt und eine Woche später sagt, das ist alles ein Blödsinn."

Ackerl dagegen ist nach eigenem Bekunden "erstaunt" über die "Kaltschnäuzigkeit, mit der über eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern hinweggegangen wird", sagte er im ORF-Radio. Anstatt das Thema "in einer Sitzung" abzuhandeln, hätte man wie die Krankenkassensanierung lieber verschieben und ausführlich verhandeln sollen, findet er.

Innerparteilicher Konflikt in der ÖVP
Auch in der ÖVP ist ein innerparteilicher Konflikt entbrannt. Beatrix Karl, Generalsekretärin des ÖVP-Arbeitnehmerbundes ÖAAB brach mit der Parteilinie und kritisierte die - von der Regierung bereits ausgemachte - gekürzte Variante.

ÖVP-Generalsekretär Kaltenegger beharrt hingegen weiterhin auf dem Plan mit zwölf Auszahlungen pro Jahr. Er unterstrich, diese sei "keine Frage des Budgets", sondern des Gesamtsystems.

"Weitgehende Berechnungen"
Ein Sprecher von Finanzminister Pröll verwies unterdessen auf "weitgehende Berechnungen" im Ressort: Demnach wäre in einigen Fällen Betroffenen eine Verringerung der Arbeitszeit bei gleichem Einkommen ermöglicht worden, der Staat aber wäre um Lohnsteuer umgefallen, so die Argumentation.

Auch die Opposition mischte sich in die Debatte um die Mindestsicherung ein. BZÖ-Generalsekretär Stefan Petzner sprach von einem "absurden Streit auf dem Rücken der Betroffenen" und forderte die anderen Bundesländer auf, das "Kärntner Modell" der Mindestsicherung zu übernehmen. Die Grünen nannten die ÖAAB-Kritik einen "brauchbaren Vorstoß der Vernunft", dieser solle in der ÖVP nicht abgewürgt werden.
(apa/red)

3.8.2009 23:06
RolandWieser, 04. 08. '09 08:25
Optimistischer Fehlschluss
Während der Krise verlieren vile Arbeitnehmer ihren Job wegen Firmeninsolvenz.

Tausende Österreicher werden krisenbedingt keine Stelle finden und fallen somit ins soziale Netz.

Durch die verspätete Einführung der Mindestsicherung; falls sie jemals kommt (?!); wird die Zahl der Armen dadurch deutlich steigen.

Die Mindestsicherung wird auch nicht viel Erleichterung bringen, da der Finanzminister trotz Übereinkommens auf einer Kürzung der Mindestsicherung von etwa 15% bestand.

Das ist im Angesicht der staatlichen Spekulationen eine Verhöhnung der Arbeitenden.


Anstatt Kapital und Arbeit gerecht zu besteuern, kürzt man etwa 20000 Euro am sozialen Netz.

Dass dieses Ergebnis nun als Erfolg gefeiert wird, ist ein Beispiel für einen optimistischen Fehlschluss.
maultier, 03. 08. '09 21:59
weniger ist mehr
Allen ECHTEN Sozialschmarozzern nimmt man,(deren gibt es genügend,ich sah es täglich im Personalbüro)den anderen gibt man die Mindestsicherung dan locker 14 mal.
Woppo, 03. 08. '09 21:01
Viele Leute arbeiten heute für 1000 EURO, mit der Mindest---
sicherung und einmal in der Woche einen Pfusch, verdient sichs viel besser ,die Politiker solten nachdenken ,ob sie weniger abkeschen ,und dafür den Mindestlohn gesetzlich erhöhen könnten !
RolandWieser, 03. 08. '09 15:22
Ein Staat wie eine Räuberhöhle?
Ein Bishof sagte einst: Ein Staat der sich nicht um das soziale Wohl all seiner Bürger kümmert ist nichts anderes als eine Räuberhöhle.

Damit hat er mit Sicherheit auch recht.

Einen Lebensunterhalt von nur etwa 730 Euros (neu ohne Heizkostenzuschuß), dass vergönne ich nicht meinen ärgsten Feind.

Für dieses Geld, müssen die Betroffenen, entgegen der Meinung vieler, arbeitswillig sein.

Heutzutage trifft die Mindestsicherung in erster Linie Leute die unglücklicherweise psychisch kranke geworden sind (z.B Depressionen nach der Kindesgeburt, nach Jobverlust ,nach Vergewaltigung...) .

In Zukunft wird es viele Menschen treffen, deren Firma Insolvenz anmelden mußte und für die es einfach keine Arbeit gibt.
hary1965, 03. 08. '09 14:51
12 Monate im Jahr oder 14??
Grundsätzlich ist einen Mindestsicherung von 733 Euro pro Monat eine großzügige soziale Einrichtung, und Sozialleistungen sind eben dazu da um den Betreffenden das Überleben möglich zu machen. Aber im Fordern und politischen Populismus sind manche Gruppen und Politiker sehr unverschämt, es gäbe da noch die Fragen wer diese Sozialleistungen bezahlt?? Beim Handeln mancher Politiker glaubt man unser Staat hat Geld im Überfluß man braucht sich nur bedienen, oder haben wir nicht eine Rekordverschuldung? die Frage wie lange wir überhaupt noch die Zinzen der Schulden bezahlen können?? Kann man in solcher Situation ständig neue Sozialleistungen erfinden und immer weiter erhöhen, oder wäre da mal Bescheidenheit angebracht reduziert auf Überlben und Medizinischer Versorgung??
Verbesserer, 04. 08. '09 06:36
Re: 12 Monate im Jahr oder 14??
Ich denke auch an jene, die um 1000€, oder etwas mehr, zur Arbeit fahren müssen. So wenige sind es nicht. Die fühlen sich geprellt.