Mittwoch, 29. Juli 2009

Eine Wiener Apothekerin, ein Koch aus Elba
& ein Wein aus Gols: was für eine Mischung

  • NEWS-Gourmet: Seit wann liegt Elba im Seewinkel?
  • Eine köstliche Mischung und der andere Wein

Axel Stiegelmar, der ungekrönte Burgunderkönig aus dem Burgenland, will mir seine jüngste, eben erst „abgefeuerte“ Rotweingranate vorstellen. „Natürlich ein Burgunder?“, rate ich.

„Oder diesmal etwa ein St. Laurent?“ Ich möge mich doch im Laufe einer kleinen Pusztatour überraschen lassen, schlägt Stiegelmar vor und holt mich in der Mittagshitze am Golser Bahnhof ab, dessen Stimmung mich an den Beginn von Sergio Leones Westernepos „Spiel mir das Lied vom Tod“ erinnert.

Steppe statt Meer
Es wird allerdings gottlob das „Lied vom Wein“ gespielt, und der Schauplatz ist tatsächlich eine „Puszta“ – so sagen die Einheimischen
zu alten Meierhöfen wie dem Nickelsdorfer Paulahof –, wo es sich Ursula und Dimitri Martini wohnlich eingerichtet haben. Das hier vor einer Woche eröffnete „L’altro vino“ ist ein Stück Italianità nahe der ungarischen Grenze. Man braucht sich nur einzubilden, dass hinter den bauschig wehenden Gazevorhängen, die die Terrasse vor Gelsen schützen, nicht die pannonische Tiefebene, sondern das Meer liegt. Und ein salziger Wind weht hier allemal.

Auch Dimitris Küche schmeckt nach Meersalz, Rosmarin und Basilikum. Ursula, die in der Wiener Innenstadt eine Apotheke betreibt, hat Dimitri in seiner Heimat Elba kennen und lieben gelernt, wo er gemeinsam mit „La Mamma“ ein kleines Restaurant führte. „Ich habe von meiner Mamma kochen gelernt“, erzählt Dimitri, während er schwungvoll seine Spaghetti mit Scampi und schlichtem, aber köstlichem Tomatensugo serviert, indes in der Küche schon seit mehreren Stunden das Ossobuco im Topf schmurgelt. Täglich kocht er ein anderes Menü aus seiner Heimat. Und wer sich einen Tag zuvor anmeldet, ist an seiner gastfreundlicher Tafel immer gern gesehen.

Der andere Wein
„Ursula, un’ altro limone“, ruft Dimitri quer durch das Lokal, das eher an ein südliches Wohnzimmer erinnert. „Wenn ich gewusst hätte, dass ihr Zitronen braucht“, meldet sich Axel Stiegelmar zu Wort, hätte ich eine von unserem Zitronenbaum mitgebracht.“ Die Zeichen, dass der Seewinkel am Meer liegt, mehren sich. Dimitri trägt sein Ossobuco auf, dicke Scheiben von der saftigsten geschmorten Kalbsstelze, deren Saft sämig, gemüsig und pikant zugleich ist. „Dazu müssen wir Tricata trinken“, sagt Stiegelmar. „Dass ihr ein Weingut am Plattensee habt, wusste ich, aber habt ihr jetzt auch eines in Italien?“ Stiegelmar bittet mich, zuerst einmal den Wein zu verkosten. Es ist eine machtvolle Kreszenz, die mit ihren Röstaromen, Zwetschken- und Rosinentönen an große Piemonteser, vor allem aber an Amarone aus dem Veneto erinnert. „Was bedeutet eigentlich Tricata auf Deutsch?“, frage ich. Stiegelmar setzt ein Lächeln auf. „Tricata ist nicht italienisch, sondern burgenländisch. Eigentlich müsste es ‚Trickater‘ – Getrockneter – geschrieben werden.

Und noch mehr Seewinkel-Tipps:
Zur Blauen Gans.
 7121 Weiden am See, Seepark, Tel.: 0 21 67/75 10, www.blaue-gans.at
Zur Dankbarkeit. 7141 Podersdorf am See, Hauptstraße 39, Tel.: 0 21 77/22 23, www.dankbarkeit.at
Presshaus. 7142 Illmitz, Apetloner Straße 13, Tel.: 0 21 75/27 30, Fax: 26 025, www.presshaus.com
Landgasthof am Nyikospark. 7100 Neusiedl am See, Untere Hauptstraße 59, Tel.: 0 21 67/40 222, www.nyikospark.at

Bild: Ursula und Dimitri Martini in ihrem neuen "L'altro vino" mit Topwinzer Axel Stiegelmar, Axel Stiegelmar hat seinen Burgenländer italifiziert

Die ganze Story lesen Sie im NEWS 31/09!

29.7.2009 15:15