Donnerstag, 30. Juli 2009

Aus Verbundenheit zum Ferrari-Team:
König der Formel 1 steigt wieder ins Cockpit

  • Der Mythos Schumacher erhält ein neues Kapitel
  • Massa-Ersatz mit Perfektionismus und Akribie

PS im Blut und die Ferrari-Familie im Herzen: Die Ausnahmesituation mit dem Unfall seines Freundes Felipe Massa hat Michael Schumacher zu einer Rückkehr ins Formel-1-Cockpit bewogen. Wie oft erklärte der mittlerweile 40-Jährige fast gebetsmühlenartig, dass er keine Gedanken an ein Comeback in der Formel 1 verschwendet. Und nun doch. Der Rekordweltmeister, Rekordesammler und einstige Herrscher der Motorsport-Königsklasse bereitet sich in den kommenden Tagen und Wochen auf den Großen Preis von Europa am 23. August in Valencia vor.

"Obwohl das Thema Formel 1 für mich seit langem und komplett abgeschlossen war, kann ich aus Verbundenheit zum Team diese unglückliche Situation nicht ignorieren", begründete Schumacher am Mittwoch seine Entscheidung, die einige Stunden nach der Rückzugsankündigung von BMW nach der laufenden Saison den 29. Juli 2009 zu einem fast schon historischen Formel-1-Tag machte. Für Schumacher war es auch eine Entscheidung des Herzens. Dabei sagt er über sich: "Ich bin kein Mensch, der gerne Emotionen zeigt, außer bei denen, die mich gut kennen." Bei vielen galt und gilt Schumacher daher als unterkühlt.

Auf der Strecke wird "hart gefightet"
Auf der Strecke kannte und wird er wohl auch bei seiner Rückkehr keine Freunde kennen. "Ich bin immer hart, aber fair gefahren. Ich habe natürlich auch mal eine Quittung bekommen für Dinge, die nicht in Ordnung waren. Alles in allem war ich bekannt dafür, dass ich kein Pardon gekannt habe", hatte er im April in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa gesagt. Man könne gut Freund sein mit jemandem, "aber wenn man auf der Strecke ist, wird hart gefightet. Wenn man dann aussteigt, kann man wieder ein Bier zusammen trinken. Das ist meine Einstellung, auch wenn das leider nicht jeder so sieht", sagte er.

Der Vater von zwei Kindern, der sein Privatleben stets vor der Öffentlichkeit geschützt hat und weiter schützt, gilt als "Jahrhundert-Fahrer" - einer, der seinen Job mit Perfektionismus und Akribie ausfüllt. Einer, der das Team mitreißt: Mit Ferrari gewann er von 2000 bis 2004 fünf Fahrer-Titel in Serie.

Immer noch Kartfahren
Immer wieder kehrt der Multi-Millionär auch zu seinen Wurzeln zurück. In Kerpen betrieben sein Vater Rolf und seine 2003 gestorbene Mutter Elisabeth eine Kartbahn, auf der er als vierjähriger Knirps den Grundstein für seine Karriere gelegt hatte. Noch heute trifft er sich mit Freunden zu Kartrennen. Der gelernte Kfz-Mechaniker hat bei allem überragenden Talent nie aufgehört, an sich zu arbeiten. "Ich kennen keinen Fahrer, der körperlich und geistig so fit ist", sagte Ferrari-Chef Luca di Montezemolo einst über seinen schnellsten Angestellten.

Als Schumacher 1996 nach zwei WM-Titeln für Benetton zu Ferrari wechselte, lebte die Scuderia nur noch vom Glanz der Vergangenheit. Mit dem Teamchef und väterlichen Freund Jean Todt sowie dem Technischen Direktor und Strategie-Genie Ross Brawn, den er nun als Gegner bei BrawnGP haben wird, bildete er die Troika, die die Marke mit dem Pferd auf Trab brachte.
(apa/red)

30.7.2009 09:07
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