Montag, 27. Juli 2009

Das Establishment der Formel 1 ist zurück: McLaren und Ferrari in Ungarn wieder top

  • Ungarn-Sieger Hamilton pries McLaren-Teamgeist
  • Ferrari widmet Räikkönens zweiten Platz Massa

Der schockierende Unfall von Felipe Massa, das überraschende Sieg-Comeback von Lewis Hamilton und die Sperre von Renault für das kommende Rennen - die Formel 1 ließ am Ungarn-Wochenende keine Langeweile aufkommen. In der WM scheinen sieben Rennen vor Schluss die Karten neu gemischt zu werden, neben dem kriselnden Leader Brawn GP und dem ersten Herausforderer Red Bull reden nämlich bei der Vergabe der Podestplätze plötzlich auch wieder McLaren und Ferrari, die Dominatoren der vergangenen Jahre, ein Wörtchen mit.

Die stolzen Sieger auf dem Hungaroring waren Weltmeister Hamilton und McLaren, die aufgrund der miserablen bisherigen Saison für 2009 bereits abgeschrieben worden waren. "Wir haben einen Riesenschritt gemacht. Ich bin sehr stolz auf das gesamte Team. Jeder der Jungs hat den gleich starken Willen zu siegen wie ich", freute sich der 24-jährige Hamilton nach zehn Rennen ohne einen "Silberpfeil" in den Top-Drei für das gesamte Team.

Hamilton hat damit in einem Rennen mehr Punkte geholt als in den vorangegangenen neun der Saison zusammen. Trotz der harten Arbeit kam der Sieg auch für Hamilton überraschend. "Wir wussten, dass wir zweifelsohne aufgeholt hatten. Aber wir hatten nie das Gefühl, dass wir das Zeug zum Siegen hätten."

"Übermenschliche Teamarbeit"
Der Hungaroring, eine der langsamsten Strecken der WM, bleibt damit ein echter McLaren-Kurs, denn das Team hat von den vergangenen fünf Rennen nahe Budapest gleich vier gewonnen. Auch dem leidgeprüften neuen Teamchef Martin Whitmarsh fiel nach dem ersten Sieg seiner Ära ein Stein vom Herzen. "Das war eine übermenschliche Teamarbeit", strich auch Whitmarsh die McLaren-Mannschaftsleistung hervor.

Wie McLaren fuhr auch Ferrari in Ungarn das bisher beste Saisonergebnis ein. Während Felipe Massa nach seinem Unfall im Qualifying im künstlichen Koma lag, wurde sein Teamkollege Kimi Räikkönen Zweiter. Damit sind die Italiener in der Konstrukteurswertung hinter Brawn und Red Bull auf Rang drei vorgestoßen. "Wir widmen dieses Ergebnis Felipe", erklärte Teamchef Stefano Domenicali.

Button rätselt
WM-Leader Jenson Button erlebte hingegen den bisher schlechtesten Grand Prix der Saison, am Ende blieb nur Rang sieben. Die WM-Führung auf den neuen Zweiten Mark Webber (Red Bull) beträgt zwar immer noch 18,5 Punkte, dennoch fordert Button nun von seinem Rennstall Brawn GP Taten. Man sei in der Entwicklung im Gegensatz zu Red Bull, McLaren, Ferrari und Williams keinen entscheidenden Schritt vorwärtsgekommen.

Button beklagte vor allem Probleme mit der Balance im hinteren Wagenbereich, die Ausrede bezüglich der schlechten Reifen auf kältere Temperaturen wolle er nicht mehr hören. "Ich weiß nicht, woran es liegt. Aber unser Auto lässt sich nicht mehr so fahren wie zu Saisonbeginn", so Button, der so wie die anderen Fahrer bis zum nächsten Rennen in Valencia (23. August) viel Zeit hat.

Nach zwei Doppelsiegen konnte Red Bull diesmal die Brawn-Schwäche nicht perfekt ausnutzen, vor allem der Ausfall von Sebastian Vettel schmerzt. Dafür hat Webber, der erstmals in seiner Karriere die schnellste Rennrunde drehte, mit Rang drei das vierte Podiumsergebnis in Folge erreicht. Die "Bullen" haben im Gegensatz zu Brawn die Gewissheit, dass sie weiterhin schnell sind. "Wir sind weiterhin an der Spitze dabei. Und wir wissen, dass noch viele Strecken kommen, auf denen wir konkurrenzfähig sind", meinte Webber.

(apa/red)

27.7.2009 11:43
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