Ein rotes Tuch für die katholische Kirche:
Italien lässt erstmals die Abtreibungspille zu
- Abtreibungspille "ein Pestizid für den Menschen"
- Thema spaltet auch die italienischen Parteien

Die katholische Kirche reagiert empört auf den Beschluss der italienischen Gesundheitsbehörden, den Einsatz der Abtreibungspille RU486 zuzulassen. "Die Abtreibungspille ist ein Übel, er schadet auch der Gesundheit der Frauen. Viele sind gestorben, nachdem sie diese Pille genommen hatten. Die Tötung eines Embryos bedeutet, menschliches Leben zu töten. Die Menschenwürde muss von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod geschützt werden", sagte Bischof Rino Fisichella, Präsident der päpstlichen Akademie für das Leben im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera".
Bischof Luigi Negri bezeichnete die Abtreibungspille als "Pestizid für Menschen". "Ich frage mich, welche Art von Menschheit und Gesellschaft wir aufbauen, wenn fundamentale Werte wie das Leben, die Liebe und die Opferbereitschaft zugunsten eines einzigen Prinzips relativiert werden: des Wohlstandes", meinte der Bischof.
Die italienische Gesundheitsbehörde hatte beschlossen, dass das Medikament nicht in Drogerien verkauft werden dürfe, sondern von Ärzten in einem Krankenhaus verabreicht werden müsse. Die Pille darf außerdem nur bis zur siebten Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Die Abtreibungspille, die vielen Ländern unter dem Handelsnamen "Mifegyne" im Handel ist, wurde vor fast zwei Jahrzehnten erstmals in Frankreich eingeführt.
Die Abtreibungspille spaltet auch die italienischen Parteien. Nach Angaben der Unterstaatssekretärin für die Gesundheit, Eugenia Roccella, gebe es noch viele unklare Aspekte bezüglich der Sicherheit der Abtreibungspille. Oppositionschef Dario Franceschini begrüßte dagegen den Beschluss der italienischen Gesundheitsbehörden. "In Italien ist der Schwangerschaftsabbruch legal. Wenn es eine Möglichkeit gibt, eine Abtreibung mit weniger Folgen für die Frauen zu garantieren, sehen ich nicht ein, warum man sich dagegen wehren sollte", so Franceschini.
Nur noch Irland und Portugal standhaft
Die umstrittene Pille war 2006 erstmals in einer Klinik in Turin im Rahmen einer Versuchsreihe bei Abtreibungen eingesetzt werden. Die französische Herstellerfirma Exelgyn hatte die Registrierung des Präparats in Italien beantragt. Gegen die freie Zulassung des Präparats hatten die italienische Bischofskonferenz und katholische Politiker heftig protestiert und auf die Gefahren von RU 486 verwiesen. Neben Irland und Portugal war Italien seit 2000 das einzige westeuropäische Land, in dem die Abtreibungspille noch nicht zugelassen war.
Die Abtreibungspille besteht aus zwei Präparaten, die in einem Abstand von 48 Stunden geschluckt werden müssen, so dass der gesamte Abtreibungsvorgang mehrere Tage in Anspruch nimmt. Zunächst wird die Versorgung des Embryo gestoppt, dann löst sich die Gebärmutterschleimhaut ab und wird wie bei einer Regelblutung gemeinsam mit dem Baby abgestoßen. Zusätzlich wird eine geringe Dosis des Hormons Prostaglandin verabreicht, das Kontraktionen der Gebärmutter - ähnlich wie bei Geburtswehen - auslöst, um die Abstoßung zu beschleunigen.
(apa/red)
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