Urteilsspruch im Schauprozess vertagt:
Suu Kyi drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis
- Weil sie einen US-Bürger bei sich empfangen hatte
- Westliche Diplomaten beobachten die Verhandlung

Das Urteil gegen die burmesische Menschenrechtlerin Suu Kyi wird erst am 11. August gesprochen. Ein Sondergericht in der Hafenmetropole Rangun verschob die geplante Verkündung um zwölf Tage. Der Friedensnobelpreisträgerin drohen bis zu fünf Jahre Haft wegen Verstoßes gegen die Auflagen ihres seit Jahren andauernden Hausarrests.
In dem vom Westen als Schauprozess kritisierten Verfahren müssen sich mit der 64-jährigen auch zwei ihrer Hausangestellten und ein US-Bürger, der die Oppositionsführerin unerlaubt in ihrem Haus besucht hatte, verantworten. Beobachter erwarten einen Schuldspruch gegen die Oppositionspolitikerin. Sie gehen davon aus, dass die in Burma herrschende Militärjunta Suu Kyi damit die Möglichkeit nehmen will, vor den für das nächste Jahr versprochenen Wahlen politisch aktiv zu werden.
In Erwartung der Urteilsverkündung waren 16 Diplomaten, darunter auch Vertreter Deutschlands und Großbritanniens, im berüchtigten Insein-Gefängnis eingetroffen, in dem der Prozess gegen Suu Kyi stattfindet. Zuvor waren die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Gefängnis verstärkt worden. Die Presse ist von dem Verfahren ausgeschlossen. "Die Richter sagten, dass sie mehr Zeit brauchen, um die Rechtslage zu klären", sagte ein Regierungsvertreter, der an der nur zehnminütigen Sitzung teilnahm.
Suu Kyi wird der Prozess gemacht, weil sie auf ihrem Seegrundstück, wo sie seit Jahren unter Hausarrest lebt, Besuch von dem Amerikaner John Yettaw empfangen hatte. Der Mormonenprediger war am 3. Mai - wenige Wochen vor Ablauf des Hausarrests - durch den See zu Suu Kyis Anwesen geschwommen, angeblich um sie vor einem Anschlag zu warnen. Weil er erschöpft war, nahm Suu Kyi den ungebetenen Gast für zwei Tage auf.
(apa/red)
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