Air France mutiert zur Pannen-Fluglinie:
Nächster Zwischenfall während Paris-Flugs
- Geschwindigkeitsanzeige für eine Minute ausgefallen
- Pilotenvereinigung fordert Austausch der Sonden

Die Air France mutiert zur Pannen-Fluglinie: Sechs Wochen nach dem Absturz einer Maschine hat es bei der französischen Fluggesellschaft erneut einen Zwischenfall mit einem Geschwindigkeitsmesser gegeben. Bei einem Flug von Rom nach Paris mit einem Airbus A320 sei die Geschwindigkeitsanzeige "jäh" ausgefallen, berichtete die Tageszeitung "Le Figaro" unter Berufung auf einen Bericht der Besatzung.
Dann habe die Geschwindigkeitsmessung ganz versagt, hieß es in dem Bericht über den Vorfall am 13. Juli, der etwa eine Minute lang gedauert habe. Air France bestätigte "eine Panne" bei dem Flug vor zwei Wochen, sie habe aber nur "einige Sekunden" gedauert und "keine Auswirkung" gehabt. Die Fluggesellschaft untersuche den Vorfall gemeinsam mit dem europäischen Flugzeugbauer Airbus, und auch die französische Luftfahrtsicherheitsbehörde (BEA) sei eingeschaltet, sagte ein Sprecher von Air France. Es habe sich nicht um die gleiche Sonde gehandelt wie bei der Unglücksmaschine, die über dem Atlantik abstürzte, sondern um ein "abgewandeltes" Messgerät des französischen Herstellers Thales, betonte der Sprecher.
Piloten fordern Sonden-Austausch
Offenbar hätten aber auch die neueren Sonden nicht "die erwartete Verbesserung" erbracht, erklärte die Pilotenvereinigung SNPL. Ein ganzes "Bündel von Elementen" deute darauf hin, dass der neuerliche Zwischenfall in Zusammenhang mit früheren Vorfällen und mit der Katastrophe vom 1. Juni zu bringen sei, sagte ein Sprecher des Verbandes. Air France solle deshalb in der gesamten Flotte die Thales-Sonden durch die Messgeräte des US-Herstellers Goodrich austauschen. Die französischen Sonden waren ins Gerede gekommen, nachdem SNPL und ein weiterer Pilotenverband von wiederholten Pannen berichtet hatten.
Air France hatte seine Piloten im November selbst vor Problemen mit den Sonden gewarnt. In einem Memo ist von etlichen Zwischenfällen die Rede, von falschen Geschwindigkeitsmessungen, unterschiedlichen Angaben auf den Kontrollschirmen von Pilot und Kopilot sowie dem Abschalten des Autopiloten. Erst Ende April begann die Airline aber mit dem schrittweisen Austausch der Sonden bei ihren A330 und A340, wobei sie am französischen Hersteller Thales festhielt. Laut der Pilotenvereinigung sind 70 Prozent aller Linienmaschinen weltweit mit Goodrich-Sonden bestückt, ohne dass jemals ein Zwischenfall damit gemeldet worden sei.
Fataler Absturz
Bei dem Absturz der Air-France-Maschine zwischen Rio de Janeiro und Paris waren alle 228 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Die Ermittlungsbehörde BEA stellte fest, dass die besagten Sonden "ein Faktor, aber nicht der Grund" für den Unfall waren. Die nach ihrem Erfinder benannten Pitot-Sonden sind außen am Flugzeug angebrachte Röhrchen, die den Luftstrom beziehungsweise die Geschwindigkeit messen.
(apa/red)
Fall Heidrun Wastl13:58
Die irre BeichteTatverdächtiger Erich W. spricht von Unfall - "Ich habe sie vermutlich getroffen"
Anders Behring Breivik19:11
War er Einzeltäter?Norwegens Polizei ist sicher, dass der Attentäter die Anschläge allein ausgeführt hat
