Donnerstag, 30. Juli 2009

Fischer belasten das koreanische Klima:
Nordkorea schleppt Boot des Nachbarn ab

  • War offenbar unabsichtlich in fremden Gewässern
  • Südkorea fordert Freilassung von Boot & Besatzung

Ein Zwischenfall auf hoher See hat die Spannungen zwischen Süd- und Nordkorea weiter verschärft. Ein südkoreanisches Fischerboot mit vier Mann an Bord wurde von einem nordkoreanischen Patrouillenschiff in einen nordkoreanischen Hafen abgeschleppt, nachdem es in Hoheitsgewässer des Nordens eingedrungen war. Anscheinend habe das Navigationssystem der "800 Yeonan" versagt, erklärte ein Militärsprecher in Seoul.

Die südkoreanische Regierung rief Pjöngjang zur sofortigen Freigabe des Fischerboots und seiner Besatzung auf. Wiedervereinigungsminister Chun Hae-sung betonte, dass auch nordkoreanische Boote die Seegrenze zum Süden wiederholt überquert hätten und nicht an der Rückkehr gehindert worden seien. Ein Beamter der nordkoreanischen Schifffahrtsbehörde erklärte, der Vorfall werde noch untersucht. Politische Beobachter vermuteten, dass Nordkorea das Fischerboot nicht so schnell zurückkehren lassen wird und es stattdessen als Verhandlungsmasse in seine Gespräche mit dem Süden einbringen könnte.

In Seoul versammelten sich einige Dutzend Demonstranten und protestierten gegen die Beschlagnahme des Fischerboots. Dabei wurden eine nordkoreanische Flagge und ein Foto von Staatschef Kim Jong-il verbrannt. Die seit Jahrzehnten gespannten Beziehungen zwischen Nord-und Südkorea haben sich seit den jüngsten Atom- und Raketentests Pjöngjangs weiter verschlechtert.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, von 2004 bis 2006 Außenminister Südkoreas, erklärte am Mittwoch, das kommunistische Land besuchen zu wollen, um sich um einen Abbau der Spannungen zu bemühen. Anfang Juni waren zwei US-Journalistinnen vom höchsten Gericht Nordkoreas wegen illegalen Grenzübertritts und "schwerer Verbrechen gegen die koreanische Nation" zu jeweils zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt worden.

(apa/red)

30.7.2009 13:29