Mittwoch, 29. Juli 2009

Anschlag auf spanische Polizeikaserne:
Autobombe verletzt an die 65 Menschen

  • 14-stöckiges Gebäudes fast komplett eingestürzt
  • Behörden vermuten ETA-Terroristen hinter Attentat

Bei einem Bombenanschlag mutmaßlicher ETA-Terroristen auf eine Polizeikaserne im nordspanischen Burgos sind nach neuesten Angaben etwa 65 Menschen verletzt worden. Unter den Opfern seien auch sechs Kinder und zwei Schwangere, teilte Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba mit. Die in einem Lieferwagen versteckte 200-Kilo-Bombe explodierte ohne Vorwarnung um 4.00 Uhr morgens vor einer Kaserne der Guardia Civil. Zum Zeitpunkt des Anschlages befanden sich 120 Menschen in dem Gebäude, darunter auch 41 Kinder. Es gebe keinen Zweifel, dass die ETA hinter dem Attentat stecke.

Die gewaltige Druckwelle riss die Wände des 14-stöckigen Gebäudes heraus und beschädigte auch angrenzende Gebäude schwer. Die Explosion hinterließ einen 15 Quadratmeter großen Krater im Boden. Dass niemand getötet worden sei, grenze an ein Wunder, sagte ein Regierungsbeamter. Zum Glück seien viele der Beamten derzeit im Urlaub. "Die Terroristen wollten töten und haben selbst den Tod von Kindern in Kauf genommen", sagte Pérez Rubalcaba. "Die ETA ist nicht nur unmenschlich, jetzt hat sie auch noch den Verstand verloren." Als "besonders hinterhältig" bezeichnete es der Minister, der zum Tatort reiste, dass es nicht wie üblich einen Warnanruf der ETA gegeben habe. Die Organisation habe den größtmöglichen Schaden gesucht.

ETA hinter Attentat vermutet
Als Täter wurden Mitglieder der Separatistenorganisation ETA aus dem nahegelegenen Baskenland vermutet. Polizei und Notfalldienste hätten vorher zwar keine Warnung erhalten, wie das bei ETA-Anschlägen häufig der Fall sei, sagte Miguel Alejo vom Regionalministerium. Dennoch deuteten die Tatumstände auf eine Urheberschaft der ETA hin. Es wäre der achte Anschlag der Organisation in diesem Jahr.

Weitere Anschläge befürchtet
Die meisten Opfer erlitten Schnittwunden durch umherfliegende Splitter. Einige mussten wegen Panikattacken behandelt werden. Am Nachmittag konnten die Verletzten die Krankenhäuser aber wieder verlassen. Die Polizei befürchtet nach Medienberichten, dass die ETA noch zwei weitere Autobomben vorbereitet hat. Das Innenministerium hatte mit einem Attentat der ETA gerechnet, weil die Organisation an diesem Freitag ihren 50. Jahrestag begeht. Sie war am 31. Juli 1959 von nationalistischen Studenten in Bilbao gegründet worden. Mit dem Anschlag habe sie ihr Jubiläum "feiern" wollen, hieß es.

Die Guardia Civil (Zivilgarde) ist ein bevorzugtes Ziel baskischer Terroristen. Bei Anschlägen auf deren Kasernen sind in den vergangenen 30 Jahren 33 Menschen getötet und fast 300 verletzt worden. Die ETA kämpft für einen unabhängigen Baskenstaat und hat seit ihrem ersten Mordanschlag 1968 fast 850 Menschen getötet.

Die Europäische Kommission hat den Bombenanschlag auf das Schärfste verurteilt. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso wünschte den Verletzten baldigste Genesung. Zudem bekundete Barroso laut einer Aussendung erneut die Solidarität der EU-Kommission "mit den demokratischen Institutionen Spaniens im Kampf gegen den Terrorismus". (apa/red)

29.7.2009 16:25