Heißer Sommer, nicht nur durch Hitze: Warum das ÖVP-Image Kratzer bekommt
- Kommentar von Hubert Wachter
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Unverhofft kommt oft. Da wähnte sich ÖVPChef Josef Pröll zuletzt schon sehr selbstsicher auf der koalitionären Überholspur. Denn wann hat es das sonst gegeben, dass ein Vizekanzler in Sympathie- und Kompetenzumfragen den regierenden Bundeskanzler deutlich hinter sich lässt? Noch dazu, wo die Kanzlerpartei von der ÖVP zudem in allen Umfragen um fast fünf Prozent überholt wurde. Und dann das: wegen hochriskanter Finanzspekulationen plötzlich drei Finanzminister im massiven Kreuzfeuer der Republik. Karl- Heinz Grasser, der jede Schuld von sich schiebt. Willi Molterer, der nicht weiß, wie ihm plötzlich geschieht. Und Josef Pröll selbst, der notbremsend plötzlich den Spekulationsstopp mit Steuergeldern verkündet, wohl wissend, dass Buchverluste jetzt zu stoppen horrible Realverluste bedeuten würde. Tja, so schnell kanns gehen, dass eine Regierungspartei ins Schwitzen kommt, mehr noch, dass die ÖVP plötzlich um ihr (einzig verbliebenes) Image, nämlich die Wirtschaftspartei Österreichs zu sein, kämpfen muss. Fatal. Ein PR-Desaster.
Urlaub im Stress. Es ist nicht nur die Spekulationsbaustelle der Bundesfinanzierungsagentur, die Pröll & Co zu schaffen macht. Auch der oppositionelle Angriff auf Martin Bartenstein, aus kasachischen Gründen nicht wirklich optimaler parlamentarischer Chef-Inquisitor im Spitzelskandal zu sein, ergibt keine beruhigende Optik. Und dann noch die vor sich hin brutzelnden schwarzen Personalia, von der EU-Kommissars-Frage bis zur Bundespräsidenten- Qual Josef Prölls Parteigeneral Fritz Kaltenegger wird seine Kärntner Urlaubstage kaum stressfrei genießen können. Mit ruhiger Hand. Abwarten, Tee trinken, nur nicht aufregen!
Mit ruhiger Hand dahinregieren. So die schwarze Devise. Weil im Herbst, Stichwort: erwartete Arbeitslosen-Explosion nebst zweier Landtagswahlen, wirds regierungstechnisch ohnehin noch viel komplizierter. Die größte Sorge der ÖVP derzeit: Wie wird Bundeskanzler Werner Faymann die dann SPÖ-intern doch rauere Luft überstehen? Das ist Selbstbewusstsein. Oder schwarzer Humor.
