Kommentar: Nichts ist schöner als mit Dingen spielen, die einem nicht gehören
- M. Kubesch: Stv. Chefredakteur über Steuergelder

Roulettekugel im richtigen Feld liegen bleibt oder im einarmigen Banditen plötzlich vier Siebener in einer Linie stehen, ist es großartig. Mehr noch: Es ist geil, es macht süchtig (manche jedenfalls). Klar, dass es den Finanzhaien der Republik nicht anders gegangen sein muss, als sich ihre Börseninvestments in den Boomjahren vervielfachten. Dass die Politik ger ne mitspielte bei den Renditen. Mehr Geld investieren? Sicher, es funktioniert ja! Dass Kommunen ebenfalls ein Stück vom Kuchen haben wollten und alles, was nicht niet- und nagelfest war, auf die Märkte warfen. Infrastrukturen oder öffentliche Dienstleistungen verkauften und zurückleasten, um sich von den Erlösen schöne, neue Dinge zu leisten (gehört Schönbrunn eigentlich noch der Republik, oder wurde es ebenfalls verkauft und zurückgeleast?).
Dass die weite Finanzwelt derzeit nicht mehr prickelt wie Jahrgangs-Champagner, hat sich herumgesprochen das K-Wort, Sie wissen schon. In solchen Momenten ist Rückbesinnung angesagt, man zieht Bilanz, leckt seine Wunden, relativiert, erklärt sich selbst und anderen die Welt. Unterm Strich ist ein Gewinn entstanden, sagte Ex-Finanzminister Molterer am Dienstag beinahe trotzig. Stimmt schon, irgendwie. Nur: Das Spiel ist ja nicht vorbei. Nach wie vor sind Milliarden an öffentlichen Werten, die meisten davon mit unser aller Steuergeld finanziert, in der weiten Finanzwelt veranlagt und bleiben es auch. Mit offenem Ausgang, denn die Kugel rollt weiter
Der Umgang mit Steuergeld sollte natürlich mit einer ethischen Komponente unterlegt sein, sagt Ex-Rechnungshofchef Franz Fiedler in dieser NEWS-Ausgabe (siehe S. 18). Heißt: Wer das Geld anderer Menschen anvertraut bekommt, sollte damit nicht spielen, sondern es so verwenden, als wäre es sein eigenes. Klingt nicht sehr prickelnd. Ist aber so. Bitte merken für nächstes Mal.
