Milchquotenregelung soll in EU auslaufen:
Bis 2015 fällt die Regulierung der Erzeuger
- Österreich hofft auf Beibehaltung der Quotenregelung
- Handelsriesen weisen Kritik an "Körberlgeld" zurück

·Milchbauern besetzen
Brenner-Staatsgrenze
Italiener demonstrieren
für mehr Transparenz
·'Kühe kann man nicht
auf Kurzarbeit stellen'
Bauern machen auf ihre
heikle Lage aufmerksam
·EU-Kommission hat
Herz für Milchbauern
Maßnahmen zur Stützung
der Milchbranche ergriffen
Mit der Festsetzung einer Obergrenze für die Milchproduktion - der sogenannten Milchquote - versucht die Europäische Union seit 1984, Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen. Bauern, die ihre Quote überschreiten, müssen Strafen bezahlen. Damit sollten die als "Milchseen" und "Butterberge" gefürchteten Überschüsse trocken gelegt werden. 2015 wird die Quote aufgehoben. Kritik hagelte es von Seiten der EU-Kommission für den Handel, der sich bei den niedrigen Milchpreisen ein Körberlgeld verdienen würde.
Die EU-Kommission und eine Mehrheit der EU-Staaten sieht nämlich vor allem in Asien eine steigende Nachfrage nach Milchprodukten. Zudem kam es im Vorjahr auf Grund des gestiegenen Bedarfs zu einem deutlichen Preisanstieg für die Konsumenten.
Bis 2013 wird die Quote jährlich um ein Prozent erhöht. Die österreichischen Milchbauern leisten Widerstand gegen die Erhöhung. Sie befürchten, das höhere Angebot könne die Preise weiter drücken. Die Kommission erwidert, es gehe nicht an, dass auf ewige Zeiten ein nur bedingt funktionierendes System aufrecht erhalten werde.
Österreich hofft auf harte Quoten
Österreich hingegen hat die nationale Quotenregelung ausgesetzt und hofft weiterhin auf ein Abblasen der Aufweichung der EU-Quoten. Österreichs Landwirtschaft sieht sich aufgrund des hohen Anteils an Bergbauern mit wenigen Tieren im Wettbewerb mit Großkonzernen in der EU benachteiligt. Laut transparenzdatenbank.at geht aber ein Großteil der EU-Förderungen an Großbetriebe und Industriekonzerne, die dafür teuren Zucker in Österreich statt billigen Weltmarktzucker kaufen.
Handel weist Vorwürfe zurück
Den Vorwurf der EU-Kommission, der Handel würde die hohen Verkaufspreise nicht an die Erzeuger weitergeben, weisen die beiden heimischen Marktführer, Rewe (Billa, Penny) und Spar zurück.
Rewe-Sprecherin Corinna Tinkler verwies auf die Preisentwicklung in den Regalen, die sehr wohl die jeweilige Entwicklung beim Bauernmilchpreis widerspiegeln würde. Im übrigen würden die Preisverhandlungen mit den Molkereien geführt, und nicht direkt mit den Bauern. Weiters verwies Tinkler darauf, dass ein erheblicher Teil der heimischen Milch in die Industrie wandert, etwa zur Speiseeiserzeugung oder zur Herstellung von Fertigprodukten.
Spar-Sprecherin Nicole Berkmann betonte, dass die österreichischen Molkereien einen Exportanteil von über 40 Prozent haben. Derzeit werde zum Beispiel ein Gutteil der österreichischen Milch nach Italien zu Dumpingpreisen verkauft. Sie nannte exemplarisch eine niederösterreichische Molkerei, die Milch nach Italien um 20 Prozent billiger verkauft als Spar sie hier einkaufen kann. Grundsätzlich gelte, dass Preissenkungen direkt an die Kunden weitergegeben würden. "So kosten zum Beispiel Spar-Vollmilch heuer um fast 16 Prozent weniger als letztes Jahr, Teebutter um rund 33 Prozent und Schlagobers um rund 19 Prozent weniger", rechnete Berkmann am Mittwoch auf APA-Anfrage vor.
(apa/red)

