Sonntag, 26. Juli 2009

"Das ist das zweite Zeichen": Sicherheits-
Debatte in der Formel 1 nach Massa-Unfall

  • Cockpit-Überdachung mit kugelsicherem Glas?
  • Massa bei hohem Tempo von Teil am Kopf getroffen

Jeder folgenschwere Unfall in der Formel 1 hat dieselben unmittelbaren Folgen, nämlich neuentfachte Sicherheitsdiskussionen. So ist es auch nach dem Crash von Felipe Massa in Ungarn. Routinier Rubens Barrichello, dessen weggebrochenes Wagenteil Massa mit voller Wucht am Helm getroffen und somit den Zwischenfall ausgelöst hat, fordert rasches Handeln.

Der Zwischenfall auf dem Hungaroring passierte nicht einmal eine Woche nach dem Tod des Formel-2-Piloten Henry Surtees, der in Brands Hatch von einem Rad getroffen und getötet worden ist. "Ich glaube ehrlich gesagt nicht an Zufall im Leben. Dinge passieren aus bestimmten Gründen. Das ist das zweite Zeichen", meinte Barrichello angesichts der Unfälle von Surtees und Massa.

Auch der tödliche Crash von Ayrton Senna 1994 in Imola sei ein solches Zeichen gewesen. Senna und der einen Tag davor ebenfalls in Imola verstorbene Österreicher Roland Ratzenberger sind die bis heute letzten Formel-1-Todesopfer. "Danach wurden die Autos verbessert", so Barrichello, der berichtete, dass die Grand-Prix-Fahrer-Vereinigung GPDA erst am Freitag einmal mehr über das Thema Sicherheit diskutiert hatte. "Es muss definitiv etwas gemacht werden. Wir müssen uns hinsetzen und die Sache anschauen."

Auch für Weltmeister Lewis Hamilton steht fest, dass die Boliden in den vergangenen Jahren deutlich sicherer geworden sind. Dennoch bestünde weiter Handlungsbedarf. "Wenn zwei solche Zwischenfälle innerhalb einer so kurzen Zeitspanne passieren, dann dürfen wir das nicht ignorieren. Wir müssen daraus lernen und es wenn möglich verbessern."

"Das ist leider Teil des Risikos"
Massas Teamkollege Kimi Räikkönen sieht hingegen wenig Chancen, Unfälle wie jenen von Massa in Zukunft zu verhindern. "Es war eine unglückliche Situation, die auch vor zwei oder fünf Jahren genauso passieren hätte können. Die Autos haben ein offenes Cockpit, deshalb kann man immer von etwas getroffen werden. Das ist leider Teil des Risikos im Motorsport."

Die einzige Möglichkeit zum Vermeiden dieser Unfälle sei die Überdachung der Cockpits mit kugelsicherem Glas. Auch der nunmehrige Red-Bull-Konsulent Helmut Marko hat einen folgenschweren Unfall dieser Art mitmachen müssen. 1972 beim Grand Prix von Frankreich in Clermont-Ferrand wurde Marko von einem Stein getroffen und verlor dadurch ein Auge.

Währenddessen läuft die Untersuchung des Unfalls. Die entscheidende Frage ist, warum das Teil - vermutlich eine Radfeder an der Hinterradaufhängung - von Barrichellos Auto abgebrochen ist. Laut Teamboss Ross Brawn sei es aktuell sehr schwierig, über die Ursachen zu spekulieren. "Wir hatten ein Problem im hinteren Teil des Autos, wir untersuchen die Sache", erklärte Brawn, der die eventuelle Installierung von Windschutzscheiben oder ähnlichem gut überlegt wissen will. Schließlich müssten die Piloten bei Unfällen auch sofort aus ihren Cockpits herausgeschafft werden können.

(apa/red)

26.7.2009 16:35
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