Formel 1 als Fahrschule: Jaime Alguersuari springt am Hungaroring ins kalte Wasser
- Arrivierte Kollegen verfolgen Debüt skeptisch
- 19-Jähriger fährt für Toro Rosse ersten Grand Prix

·Neuer Torero für Scuderia Toro Rosso
Spanier Alguersuari fährt ab Ungarn statt Bourdais
·Vettel ist spätestens 2011 der Weltmeister
Oberbulle Didi Mateschitz
vom Jung-Star überzeugt
Ohne vorher eine einzige volle Runde in einem Formel-1-Auto absolviert zu haben, ist Jaime Alguersuari ins Grand-Prix-Wochenende auf dem Hungaroring gestartet. Der 19-Jährige, der von Toro Rosso anstelle des ausgemusterten Franzosen Sebastien Bourdais ins Cockpit gesetzt wurde, avanciert in Mogyorod nahe Budapest zum jüngsten Renn-Piloten der Formel-1-Geschichte. Zahlreiche arrivierte Kollegen beobachten das Debüt des spanischen Teenagers kritisch bis kopfschüttelnd.
Seine Jungfernfahrt im ersten freien Training auf dem Hungaroring hat Alguersuari allerdings respektabel erledigt. Den 20. und letzten Platz konnte der Rookie aus Barcelona zwar nicht vermeiden, sein Rückstand auf den Schnellsten Heikki Kovalainen betrug jedoch nur 1,950 Sekunden. Toro-Rosso-Kollege Sebastien Buemi nahm dem Neuling nur 0,23 Sekunden ab. Bis dahin hatte Alguersuari lediglich sogenannte Geradeaus-Tests in einem Formel-1-Boliden absolviert gehabt.
Die härteste Kritik zum Thema Alguersuari kam ausgerechnet aus dem eigenen Lager, nämlich von Mark Webber, der fürs Toro-Rosso-Schwesterteam Red-Bull-Racing fährt. "Die Formel 1 ist keine Fahrschule. Aber in diesen Tagen macht es immer mehr den Anschein, dass sie eine ist. Wenn du in die Formel 1 kommst, dann solltest du ein fertiger Pilot sein", stellte Webber klar. Der Australier selbst machte kein Geheminis daraus, dass er im Alter von 19 noch keinesfalls bereit für die Königsklasse gewesen wäre.
"Ritt auf der Rasiermesserklinge"
"Wenn es gut geht, dann ist es fantastisch. Aber es ist ein Ritt auf der Rasiermesserklinge", meinte WM-Leader Jenson Button (Brawn GP), der sogar glaubt, dass so ein Sprung ins eiskalte Wasser eine ganze Laufbahn gefährden kann. "In diesem Alter kann so etwas definitiv seine Karriere zerstören. Er muss noch so viel lernen", glaubt Button, der 2000 als 20-Jähriger für Williams debütiert hatte.
Auch Lewis Hamilton, der vergangene Saison als 23-Jähriger zum jüngsten Weltmeister der Geschichte wurde, zeigte sich skeptisch. Der Brite wäre 2006 als potenzieller Ersatz für Juan Pablo Montoya beinahe in die selbe Lage wie nun Alguersuari gekommen. "Ich hatte davor auch nur Geradeaus-Tests absolviert. Wäre ich damals gefahren, wäre das der schlechteste Schritt meiner Karriere gewesen. Es hat bei mir acht harte Testtage gebraucht, bis ich mich wirklich wohl im Auto gefühlt habe. Erst dann konnte ich mich richtig mit den anderen Piloten duellieren."
Alguersuari, am 23. März 1990 geboren, lässt das alles völlig kalt. Auch das Rätselraten über die korrekte Aussprache seines Namens lockt ihn nicht aus der Reserve. Abseits der Strecke gibt sich der jüngste britische Formel-3-Meister aller Zeiten bei Medien-Auftritten nämlich unnahbar und aalglatt, als wäre er schon seit Jahren in der von Floskeln geprägten Königsklasse unterwegs. "Unterm Strich ist es nur ein weiteres Auto in meiner Karriere als Rennfahrer, mit einem Lenkrad und zwei Pedalen. Ich bin entspannt. Ich weiß, was ich erreichen kann und was die Leute von mir erwarten." Sein Ziel für den Rest der Saison: "Lernen, lernen, lernen."
(apa/red)
