Gibt es jetzt das, was nicht sein darf?
Thema Stallorder bei Red Bull vorerst tabu
- Horner: "Beide Fahrer mit totaler Fairness behandeln"
- Taktik erst bei "signifikantem Punkteunterschied"

·Webber wird sicher nicht zurückstecken
Teamkollege erklärt Vettel zum Konkurrenten
·Ende des Formel 1-
Streits verzögert sich
Neues Regelwerk kommt erst nach Ungarn-Rennen
Je näher das Ende der Formel-1-WM rückt, umso heißer wird das Thema Stallorder. Offiziell ist sie seit dem Skandal-Grand-Prix von Österreich (2002) verboten, doch inoffiziell wird sie nach wie vor geschickt verpackt angewendet. Im Titelkampf 2009 scheinen bei Brawn GP die Rollen knapp nach WM-Halbzeit zwischen der Nummer 1 Jenson Button (68 Punkte) und Wasserträger Rubens Barrichello (44) klar verteilt zu sein, bei Red Bull gibt es hingegen vor dem Ungarn-Grand-Prix heute zwischen Sebastian Vettel (47) und Mark Webber (45,5) ein Duell auf Augenhöhe.
Red-Bull-Teamchef Christian Horner schwärmte vor der Hitzeschlacht auf dem Hungaroring bei prognostizierten Temperaturen von rund 30 Grad vom "momentan besten Fahrer-Duo der gesamten Formel 1" und schloss deshalb die Bevorzugung von einem der beiden Piloten strikt aus. "Wir werden weiterhin beide Fahrer mit totaler Fairness behandeln und mit identischem Material ausstatten. Vettel und Webber sind nur durch eineinhalb Punkte getrennt, sie haben beide Chancen auf den WM-Titel. Unser Ziel ist es, dass beide versuchen, Brawn GP so schnell wie möglich einzuholen", erklärte der Engländer.
Erst bei "signifikantem Punkteunterschied"
Taktische Überlegungen würde es bei Red Bull erst bei einem "signifikanten Punkteunterschied" zwischen dem Deutschen Vettel und dem Australier Webber geben. "Dann würde einer der beiden in die Rolle des Unterstützers schlüpfen, sollte es notwendig sein", meinte Horner. Die Formkurve beim österreichisch-englischen Team zeigt aktuell steil bergauf, in Silverstone siegte Vettel vor Webber und auf dem Nürburgring Webber vor Vettel.
Buttons Vorsprung auf Vettel ist in diesen beiden Rennen um elf Zähler auf 21 Punkte geschrumpft. Doch Horner mahnte weiterhin volle Konzentration ein: "Die Entschlossenheit des Teams, sich weiterverbessern und nicht auf den Erfolgen ausruhen zu wollen, ist sehr wichtig." Aufgrund des dahinschmelzenden Vorsprungs auf Red Bull beginnt bei Brawn GP langsam aber sicher das Nervenflattern. Barrichellos Unzufriedenheit über seine teaminterne Stellung als Nummer 2 verschärft die Lage zusätzlich.
Barrichello redet kein "Blabla" mit seinem Team
Bezüglich der Diskussion über die Rollenverteilung hat Brawn GP in dieser Saison bereits das eine oder andere Mal Öl ins Feuer gegossen. Die jüngste Tankpanne auf dem Nürburgring kommentierte Barrichello, der bei Ferrari jahrelang braver Helfer von Michael Schumacher war, mit harten Worten: "Ich bin unheimlich verärgert. Wenn es so weitergeht, verlieren wir die Weltmeisterschaft noch. Ich wünschte, ich könnte in ein Flugzeug steigen und nach Hause fliegen. Ich will eigentlich mit niemandem in meinem Team reden, weil es doch nur Blabla ist", so der seit 2004 sieglose Barrichello, der durch das Missgeschick von seinem Stallrivalen Button (bereits sechs Saisonerfolge) überholt worden war.
Bereits nach dem Rennen in Barcelona war Barrichello schwer verärgert über sein Team gewesen, weil er sich bei der kurzfristig geänderten Renntaktik gegenüber Button benachteiligt fühlte. Während Barrichello bereits laut über einen Abschied mit Saisonende nachdenkt ("Ich kann ja am Jahresende kündigen"), äußerte sich Teamchef Ross Brawn mit einem Statement zwischen Verständnis und Kritik: "So spricht ein frustrierter Rennfahrer. Aber auf seiner besten Runde hat er nur die elftschnellste Zeit gefahren. Damit kann man kein Rennen gewinnen, egal wie die Strategie ist."
(apa/red)
