Freitag, 24. Juli 2009

Dinko verzichtet auf Ganzkörperanzüge:
Jukic bei der WM mit langer Schwimmhose

  • 20-Jähriger: "Will mich doch nicht selbst belügen"
  • Bizarrer Anzug-Basar in WM-Katakomben von Rom

Dinko Jukic will den Wettlauf der Schwimmer um den besten Ganzkörperanzug nicht länger mitmachen. Der 20-Jährige hat sich entschieden, die Titelkämpfe wie u.a. bei seinem Kurzbahn-EM-Titel über 400 m Lagen im Dezember in Rijeka nur in einer langen Schwimmhose zu bestreiten. Einzig für die 50 m Delfin wird der Wiener eventuell einen "suit" anziehen.

Doch der Delfin-Sprint dient Jukic nur zum Einstimmen auf seine starken Bewerbe 200 m Delfin, 200 m Lagen und 400 m Lagen. Für diese Distanzen hat sich der SC-Austria-Wien-Athlet gegen das Wettrüsten festgelegt. "Ich will mich einfach nicht selbst belügen", erklärte Jukic im Gespräch mit der APA. "Ich will ja meinen persönlichen Fortschritt sehen."

Schon seit Jahren ist es beim Junioren-Weltmeister 2006 so, dass er seine in der Wintersaison geschwommenen Kurzbahnzeiten im darauffolgenden Sommer in etwa auch auf der Langbahn bringt. Das entspricht auf einer 200-m-Distanz einer Weiterentwicklung von ungefähr zwei Sekunden, da man sich auf der 25-m-Bahn ja vier Mal öfter abstoßen kann als im 50-m-Becken und dadurch schneller ist.

Blick in die Zukunft
Seine Entwicklung will Jukic nun nicht aus den Augen verlieren. Mit einem Anzug wäre der Student im Kampf um die Finalplätze und die Medaillen wohl chancenreicher, doch das ist es ihm nicht wert. "Ich bin mir sicher, dass viele Anzüge mit Jänner wieder verboten werden", meinte der Olympia-10. über 200 m Delfin. "Ich habe keine Lust, dass ich danach nie mehr an Zeiten herankomme, die ich jetzt vielleicht mit einem Anzug schwimmen würde."

Ganz kann sich Jukic der Materialschlacht aber auch nicht entziehen, denn geschlagen geben will er sich trotz des Anzug-Verzichts nicht. Am Freitagvormittag testete der zweifache Jugend-Europameister 2006 eine Schwimmhose der Firma Descente, mit dieser war der Japaner Ryosuke Irie am 10. Mai zu einem später aberkannten Weltrekord über 200 m Rücken geschwommen.

Jukic behagt die Hose aber nicht, seine Wahl wird auf ein Produkt eines anderen Herstellers fallen. Überhaupt haben sich die meisten Athleten noch nicht entschieden, mit welchem Material sie an den Start gehen werden. Dementsprechend sieht auch das Trainingsszenario im WM-Becken aus. Statt wie früher primär auf die Feinheiten wie Start und Wende zu achten, standen auch die OSV-Aktiven zusammen und tauschten ihre Anzug-Ansichten aus.

"Ein anderes Schwimmen"
"Es ist jetzt ein anderes Schwimmen", meinte dazu etwa Walter Bär. "Die Materialien der Anzüge sind teilweise auch sehr verschieden." Schwierig sind daher auch Prognosen, welche Zeiten ein Athlet zu schwimmen imstande ist. Denn viele Aktive haben bisher noch nie mit jenem Produkt einen Wettkampf bestritten, mit dem sie ab Sonntag um eine gute WM-Platzierung schwimmen werden. Bis zuletzt wird gepokert, gerätselt und zugewartet.

Fast bizarr die Situation im Inneren des Schwimmkomplexes, wo sich die diversen Hersteller Stand an Stand aufgereiht haben und versuchen, sich mit ihren Anzügen den Schwimmern anbieten. Die Aktiven überlegen und gustieren und entscheiden sich schließlich für eine Variante. Die pro Stück mehrere 100 Euro teuren Anzüge sind gratis, doch muss die Entgegennahme mit einer Unterschrift unter eine vollgeschriebene A4-Seite bestätigt werden.

(apa/red)

24.7.2009 14:37